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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XVII.

ließ er den Geist ruhen von göttlichen Werken. Und da in böse See-len die Weisheit nicht eingcht und nicht wohnt in einem der Sündedienenden Leibe, so bewahrte er, um die heiligen Schriften, welche eranf's Innigste liebte, mit Frucht lesen zn können, immer die Reinheitseines Gewissens. Durch die Flamme der Liebe entzündet, arbeitete eram Heile des Nächsten und brachte unsägliche Frucht; nicht bloß inDeutschland, sondern fast durch die ganze Welt wirkte er mit herrlichemRuhme durch heiliges Beispiel, durch Frömmigkeit, durch wunderbareGelehrsamkeit und Ausrottung der Jrrthümer. Frisch und lieblich warer im Ermahnen, streng im Tadeln, dem Laster ein tödtlichcr Feind.Er war auch darin ein Muster der Seelengröße, daß er bei der Sorgefür die Seelen und im göttlichen Amte nicht die Könige und Mächti-gen vorzog. Als ausgezeichneter Prediger wog er an der Wage derGerechtigkeit Alles ab und thcilte den Einzelnen das mit, wessen siebedurften, ob er zu Hohen oder Niedern sprach, und traf Alle mit demPfeile der Wahrheit. Wo er weilte, erbaute er Alles, in Beobachtungder Demuth und Armuth, welche die Ordensregel erfordert, zeigte ersich als einen evangelischen Mann. Wenn er die Klöster visitirte unddie Diener Gottes zum heiligen Eifer durch gar liebliche Reden er-mahnte, wurde das Wort Gottes, welches aus seinem Munde gingwie ein Quell des Paradieses, gar gerne gehört. Mit welcher Sorg-falt er über die Ordenslente wachte, bezeugen die Dekrete seiner Ver-ordnungen, die noch in vielen Klöstern gefunden werden. Da ermanchmal, sei es ans Auftrag des apostolischen Stuhles, sei es aufBitten der Bischöfe in ihren Sprengeln die Klöster der Mönche, Re-gular-Kanoniker und Klosterfrauen besuchte, damit er sorgfältig erforsche,was dort gegen die Regel und Vollkommenheit wäre, da brachte erAlles, was er auf dem Acker des Herrn verirrt sah, mit wunderbaremEifer auf den Weg des regelgetreuen Lebens zurück. Und er ginghiebei selbst bis zum. Brennen, wenn es nothwendig war. Die Lampeder guten Werke in Allem vvraustragcnd, was Gottes ist, führte erdie Einen freiwillig, die Unfreiwilligen zog er mit sich. Da er soein Spiegel der Tugenden ohne Mackel war, so daß man von ihmauch sagen konnte: Es wurde kein Mann ihm ähnlich erfunden, der sodas Gesetz des Allerhöchsten erfüllte, wurde er, den Gott mit großerGnade überhäufte, auch von Allen geliebt. Er rühmte sich aber dessennicht, sondern schrieb Alles der göttlichen Gnade zu. Da er von

Bußen von sieben Jahren als Beichtvater gegeben, daß er aber so weise den Büßernzuzusprechen wußte, daß sie gerne so strenge Bußen aus sich nahmen.