Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

Kap. XVIl. Der sel. Albertus wieder als Provinzial in Deutschland re. 111

Kapitel XVII.

Der selige Albertus wieder als Provinzial in Deutschland. SeinDild aus jener Zeit.

Wenige Männer der Geschichte haben die Wahrheit des Satzes,daß das Menschenleben eine Pilgerschaft sei, an sich selbst so sehr erfah-ren, als unser Albertus. Einen großen Theil seines Lebens ist er ausder Wanderschaft begriffen gewesenUnd bei der Schwierigkeit desReifens in jenen Tagen, wo statt der ebenen Eiscnwege mit ihrenFlngmaschinen meist reine oder elende Strassen zu Gebote standen, undnoch mehr bei dem strengeingehaltenen Grundsätze des Albertus, zuFuß einherznwallen ans Liebe zur heiligen Armuth, muß dieses seinWandern als um so mühevoller und verdienstlicher betrachtet werden.

So war er zu Ende des Jahres 1256 oder im I. 1257 wiederauf uns unbekannten Wegen Z aus Italien heimgewandcrt nach seinemgeliebten Köln. Aber kaum war er angelangt, so wurde seine Hilfeschon wieder von allen Seiten verlangt, seine Weisheit und Erfahrungwieder vielfältig in Anspruch genommen. Zuerst mußte er als Schieds-richter dienen in dem erbitterten Kampfe, der während seiner Abwesen-heit in Köln selbst wieder Hvchanfgelodcrt war. Wir haben schon obenberichtet, mit welchem Geschick er damals, unterstützt durch die andernredlichen Männer, einen gerechten Vergleich zu Stande brachte. Dannzog er wieder fort von Stadt zu Stadt. Denn die Last des Provin-zialats lastete ja noch auf seinen Schultern. Welche Orte und Klösterer damals hcimgesncht, ist uns nirgends berichtet. Rudolph erzähltnur, daß Albertus auch noch den Kapitelversammlnngen des Ordens zuErfurt und Regcnsburg beigewohnt und sie geleitet habe. Das müßtein den Jahren 1257 und 1258 geschehen scyn.

Im nächsten Jahre treffen wir ihn sogar in Valcnciennes in

1) Er sagt selbst in seiner Mineralogie: Mutlos annos exutavi, d. h. vieleJahre war ich von der Heiniath entfernt. Denn nach der schonen Auffassung desMittelalters war jeder von der lieben Heimath Entfernte ein Exulant.

2> Es wäre möglich, daß er mit seinem Schüler Thomas über Marseiste nachParis geeilt, wo derselbe zum Schluß des Streites mit der theologischen Doktor-Würde gekrönt ward i. I. 1257. Doch haben wir darüber keine Andeutung.

3) Valoucenis tu Rsunouia (Hennegau).