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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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109
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Von der großen Drangsal der Bettelmönche. 109

sonst einige interessante Andeutungen enthält, können wir ste nicht ganzübergehen I.

Der Propst eines Augustinerklosters in Bayern, Gavilus mitNamen, ein heiliger Mann, war zwei Jahre vor jener Trübsal nachRom gekommen, um dort ein Geschäft zu betreiben. Da er nun einmalin der alten Basilika des heiligen Petrus betete, sah er in der Ent-zückung auf einmal die Kirche voll von Schlangen, durch deren furcht-bares Gezisch nicht bloß die Anwesenden erschreckt wurden, sondernauch ganz Nom. Mit Angst erfüllt, sah der Mann bald einen Men-schen, der die Tracht der Prediger hatte, in die Kirche eintreten.Während er nun den Unbekannten anstaunte, ward ihm durch göttlicheEingebung gesagt, daß dieser Mann Albertus heiße. Diesen Prediger-bruder fielen nun die Schlangen mit Ungestüm an, bissen ihn, hingensich an seine Füße, Arme, an die Brust und an alle Glieder seinesLeibes. Mit männlichem Muthe aber sich ihren Angriffen entziehend,eilte der fromme Bruder auf die Kanzel^), auf welcher an Festtagen dasEvangelium Johannis gelesen zu werden pflegt. Er fing sofort auchan, das Evangelium des hl. Johannes zu lesen, und da er an dieSchlußstelle gekommen: Und das Wort ist Fleisch geworden, ruhteplötzlich das Zischen der Schlangen, ste wurden aus der Kirche vertrie-ben und der Friede kehrte wieder. Was dieses Alles zu bedeutenhabe, wußte der fromme Mann nicht, und kehrte in seine Heimathzurück. Da er aber einst seiner Schwester, die in großer Zurückgezo-genheit (reelnsn) lebte, mittheilte, was er in Rom geschaut, da sagtesie voll heiliger Freude: Siehe, Albertus, den du in der Vision ge-schaut, ist kürzlich, wie ich gehört, zum Grafen von Othenheim^ ge-kommen, um mit ihm über°) jenes Land sich zu besprechen. Darüber

1) In libro apum. Bei Prussia S. 227.

2) Welches Kloster hier gemeint sei, ist schwer zu entscheiden. Es mnß übrigensnicht in zn großer Entfernung von Dettingen gesucht werden, da ein Graf vonDettingen unten als benachbart aufgeführt wird.

3) Der Ambo, das erhöhte Gestühl, an welchem das Evangelium gelesen ward!Es scheint also damals der Gebrauch bestanden zu haben, daß man das sogenannteletzte Evangelium Johannis auch dem Volke vorlas, aber nur an Festtagen.

4) So Thomas Cantipratanus. Es muß aber wahrscheinlich comes äe Ottin-xeir heißen. Vgl. Ilunäii lVletrox. 8alisb. II, 216.

5) Bei Prussia steht: xrops torrair, istarn, bei Rndolph besser: proptsr. Eswar also wohl auf der Visitationsreise des Albertus als Provinzial des Ordens, daßer sich bei dem Grafen von Dettingen aufhielt und vielleicht über Einführung desOrdens in dessen Ländchen sich besprach.