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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Von der großen Drangsal der Bettclmönche. 103

groß im Verbrechen, aber fast immer anch groß in der Buße und Reue!So auch in diesem Falle. Einer der erbittertsten Feinde der beidenOrden war Meister Christian') von Bcanvais. Als dieser bald dar-auf erkrankte, erfaßte ihn bittere Reue über die Unbilden, die er denOrdensbrüdern zugefügt, er bat stc um Verzeihung und zum Zeichen derVersöhnung mit dem Orden wählte er seine Bcgräbnißstälte bei denPredigcrmönchcn. Ebenso ward der Meister Lorenz von England, nach-dem er die Mönche auf's Heftigste verfolgt, von Rene ergriffen, ver-machte alle seine Bücher den Söhnen des hl. Dominikus und wurdeauch bei ihnen begraben^).

So wurde der lange mit Erbitterung geführte Kampf endlich zueinem glücklichen Ansgang gebracht. Und gewiß gebührt dem Eifer,der Gelehrsamkeit und hinreißenden Beredsamkeit des Albertus dererste Preis bei Erringung dieses Sieges.

Was aber die hohen Richter in der Sache, den Papst und die Cardi-näle besonders günstig für den Orden der Prediger und ihren Vertreterstimmte, das waren die Vorträge, welche Albertus vor der hohen Ver-sammlung hielt. Der Ruhm des Albertus als des ersten Schrifterklärersund trefflichsten Predigers war seit Langem auch nach Italien gedrungen.Man wollte nun die Gelegenheit nicht vorübergehcn lassen, ohne vondem reichen Baume der heiligen Wissenschaft des großen Manneseinige Früchte zu pflücken. Während daher Albertus sich am päpst-lichen Hofe aufhielt, um jene Angelegenheit der Orden zu vertreten,gab ihm der Papst Alexander IV. den Auftrag, vor der hohen Ver-sammlung selbst Vorträge zu halten und hiebei das EvangeliumJohannis zu erklären. Er erhielt also hiemit das Amt eines Lektorsim heiligen Pallaste, das schon sein Meister Dominikus mit großerFrucht verwaltet hatte und das beim Orden der Prediger geblieben istbis zum heutigen Tag. Albert nahm den hohen Ruf mit Bereitwil-ligkeit an und eröffnete seine Vorträge vor dem höchsten Zuhörerkrciseder Welt. Er erklärte vor Allem das ganze Evangelium des heiligenJohannes mit solchem Scharfsinn und so großem Beifalle mündlichund schriftlich, daß die Zuhörer erklärten, solches sei noch nie voneinem Menschen gehört worden P.

1) Er war auch Chiliast und wird darum von Albert im Commentar überMatthäus bekämpft. Der Bericht aus Thomas von Cantimpre steht bei Prussta S. 238.

2) Rudolph.

3) lVliro ei inanäito more supra omneiri Nomincm sxponenäo blvanAelium.loannis totalitär texit. So Cantipratauus bet Prusfia S. 227.