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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XVI.

das den Dominikanern zugeschriebcn wurde, zu bewirken. So waralso die Streitfrage vor den höchsten Gerichtshof der Kirche gebrachtund fand auch hier ihre Lösung.

Der Papst Alexander IV., der eben in Anagni refidirte, übergabdas Buch des Wilhelm einer Commission von Kardinalen zur Prü-fung, und gebot dem Ordensgcneral Hugo, cs von seinen berühm-testen Theologen mit Aufmerksamkeit dnrchlcsen zu lassen. Daß daAlbert nicht fehlen durfte, ist begreiflich. Er war bereits über dieAlpen gewandert und in Anagni ans des Papstes Wunsch anwesend '),als auch sein geliebter Schüler Thomas aus Paris eintraf, währendvon Seiten der mindern Brüder der Pater Bonaventnra gekommenwar (1256). Der Fahnenträger und Vorkämpfer der Predigcrbrüderwar aber Meister Albertus. Er ließ in weiser Vorsicht das Buch desWilhelm, dessen er vor dem Gerichtshöfe zu bedürfen glaubte, schnellabschreiben 2 ), durchging, einen Tag und eine Nacht lang eifrig stu-dierend, die einzelnen Artikel und prägte das ganze Buch mit großerAnstrengung seinem Gedächtnisse ein. Als es nun darauf vor denRichtern und mehreren Andern vorgelesen ward, trat Albertus auf,antwortete aus die kecken Vorwürfe der Gegner mit solcher Schärfedes Verstandes, mit solcher Sachkcnntniß und hinreißenden Beredsamkeit,daß alle Hörer staunten über die Weisheit dieses Mannes und Gottpriesen, daß er einen solchen Mann gesandt, um das Lager Israelsvon der Verheerung der Philistäer zu befreien. Die Antworten desMeisters Albertus auf die Vorwürfe der Gegner hat dann sein frühererSchüler Thomas von Aqnino sorgfältig zusammengetragen und mitAbkürzungen zu einem Buche verarbeitet, das den Titel führt: lieberdie Vollkommenheit des Ordensstandcs gegen dessen Widersacher ^).Was also hier Thomas mittheilt, scheint der Inhalt von Alberts

1) Thomas von Cantimpre sagt ausdrücklich, Albert sei speciell vom Papsteberufen worden. Bei Prusfia die ganze Stelle. S. 227.

2) Nach einem Bericht des Jakob von Soest bei Prusfia (S. 233) kaufte esAlbert um hohen Preis.

3) Alles nach Prussia und Rudolph, die sich auf Thomas von Cantimpre stützen.Die Biographen des hl. Thomas lassen diesen hiebei die Hauptrolle spielen; aber esist sehr unwahrscheinlich, daß Thomas in Gegenwart seines alten hochberühmtenLehrers das erste Wort geführt.

4) Thomas hat übrigens den Gegenstand in drei Abhandlungen (Oontra retra-Irentes Iromines a religsionis in^ressu, äe perleetions vitas spirituale, contraimpugmantes äe! culturn et religlonom) und in der Lumina Ila Ilas yuaesi. 186189 behandelt. Man war damals nicht eifersüchtig aufeinander in Bezug auf die