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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Von der großen Drangsal der Bcttelmönche. 99

keineswegs. Es begann jetzt ein hitziger literarischer Kampf, der nachder Weise jener Zeit in ziemlich derben, heftigen und scharfen Wortengeführt wurde, da man damals, wie ein neuerer Historiker') sagt, nochnicht die Kunst verstand, Einen zu erdolchen, während man ihn mitBlumen bewirft. An der Spitze der Vertreter der Universität standder Burgunder Wilhelm von Saint-Amvur, ein kecker, gewandter,stolzer Mann, der in beißenden Pamphleten die Bettclorden bekämpfte,und sie um Achtung und Liebe beim Volke und bei den Fürsten zubringen suchte. Am meisten Aufsehen machte sein Buchüber die Ge-fahren der jüngsten Zeit", das der weiteren Verbreitung willen sogarin das Französische übersetzt wurde. Er fällt hier nicht über etwa ein-gerissenc Mißstände in dem Leben der Bcttelmönche her, sondern erbezeichnet schon die Regel und Einrichtung dieser Orden als etwasWiderrechtliches und der christlichen Vollkommenheit Zuwiderlaufendes.Er nannte sie falsche Prediger, da sie ohne Beruf predigten, der nurden Bischöfen und Pfarrern zukämc; ihre Entäußerung von den zeit-lichen Gütern sei keine Nachahmung Christi und der Apostel, die nichtvom gesammelten Almosen gelebt, die christliche Vollkommenheit bestehedarin, Christus in seinen Werken nachzuahmen, nämlich zu arbeiten,nicht zu betteln. Diese Schrift, welche weithin mit Begierde ge-lesen wurde und die größten Vcrläumdnngcn gegen die neuen Ordenenthielt, brachte die Streitsache zur Entscheidung. Die Ordensmännerwandten sich klagend an den König Ludwig den Heiligen ^), der wiedervom Kreuzzuge heimgekchrt (l255) und schon bisher mit allen mög-lichen Mitteln den Streit zu schlichten bemüht war. Er liebte dieUniversität wie seine erstgeborne Tochter, aber er hätte auch für jedender Bettclorden^ sein Leben hingegebcn Daher schlug er vor, dasBuch einem Ausschuß von Bischöfen zur Benrthcilnng vorzulegen. DieDominikaner aber baten, es dem Papste selbst verlegen zu dürfen undsandten nach erhaltener Erlanbniß sogleich zwei Lehrer nach Anagni ab,wo sich der päpstliche Hof befand. Kaum hatte die Universität aberKunde bekommen von dieser Abreise, als sie auch sieben Lehrer, dar-unter den Wilhelm von Saint-Amour, an den Papst sandte, um dieVerdammung eines andern Buches, das ewige Evangelium genannt,

1) Ennen a. a. O-

2) Rudolph sagt: Die Feinde waren so grausam, daß, hätte nicht der frommeKönig Ludwig und sein Bruder Alphons sich für den Orden eingelegt, sie die Brüderund all das Ihre vertilgt hätten.

3) Vgl. Harry Hörtel S. 73.

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