Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

Kapitel XV.

Amnestie eintreten; der Erzbischvs sollte die städtischen Rechte schützen,die Stadt aber seinen Nutzen bestens fordern, da sie ihm für alle Ge-richtsbarkeit und alle Rechte Treue geschworen hatte. Das war alsoder Inhalt des Vergleichs, der, der Weisheit Alberts entstammend,Aller Rechte anerkennend und schirmend, den beglückenden Frieden fürAlle gebracht hätte. Aber er währte ob der Menschen Leidenschaft nichtlange. Der ritterliche Erzbischof sah sich in seinen Hoffnungen getäuscht,und war darum entschlossen, die nächste Gelegenheit zu ergreifen, umwieder den Kampf zu erneuern. Nachdem manche kleine Feindselig-keiten vorangegangen, brach der Streit i. I. 1256 abermals in HelleFlammen aus, während Albert, wie wir erzählen werden, in Italienabwesend war. Er hätte vielleicht durch seine Gegenwart das Feuernoch unterdrücken können. Die Bürgerschaft machte gewaltige Kriegs-rüstnngen und war einmüthigen Sinnes, ihre Rechte mit Leib und Le-ben zu vertheidigen. An der Spitze einer streitlustigen Bürgcrschaarstand Dietrich von Falkenburg, welcher dürstete, sich auf freiem Feldemit dem Feinde zu messen. Beim Dorfe Frechen traf das kampfbcgic-rige Heer der Städter auf die Truppen des Erzbischofs, der selbst involler Rüstung in der vordersten Reihe am Kampfe Thcil nahm.Grausig war der Zusammenstoß, blutig das Gemetzel; auf beiden Sei-ten feuriger Mnth und die kühnste Todesverachtung. Als nach langem,hartnäckigem Gefechte der mit Löwcnmuth kämpfende Kirchcnfürst schondes Siegs gewiß zu seyn glaubte, brach erst Dietrich von Falkenbnrgmit seiner frischen Schaar hervor und stürzte sich mit eingelegter Lanzeauf die feindlichen Schaaren. Erst jetzt begannen die Truppen desErzbischofs zu wanken, bald war das ganze Heer in Flucht und Ver-wirrung! Vergeblich bot Conrad Alles auf, um seine Soldaten zumStehen zu bringen; er sah sich endlich selbst genöthigt, sein schweresSchlachtroß zu verlassen, ein rasches Rennpferd zu besteigen und ineiliger Flucht seine Rettung zu suchen. Dieser glänzende Sieg gabder Stadt die Hoffnung, für alle Zukunft von den Vcxationcn desKirchenfürsten befreit zu werden. Lange dauerten die Unterhandlungen.Am Gründonnerstag des Jahres 1257 leistete man gegenseitig den Eid,daß man sich in dieser Sache dem Spruche der Schiedsrichter unbedingtfügen wolle. Diese Schiedsrichter waren Goswin der Domdekan, diePröpste von St. Severin und von den hl. Aposteln, der DomcnstvsPhilipp und der Lesemcister der Dominikaner, Bruder Albertus, dereben von seiner Sendung nach Anagni heimgekchrt war.

Wieder erscheint also Albert als Friedeusengel. Ohne Zweifelwar er die Seele des ganzen wichtigen Geschäftes. Sein rastloser