94
Kapitel XV.
und des Glaubens gebeugt und so seine apostolische Sendung mit demGewinn vieler Seelen vollendet habe').
So sehen wir also hier Albertus auch als Missionär unter halb-wilden Völkern austreten und mit Segen wirken, wie er bisher dasOrakel der Gebildeten und Gelehrten gewesen.
Kapitel XV.
Der selige Albertus als Friedensstifter in Köln.
In diesem Zeitraum, wo Albertus nach allen Seiten hin eine heil-same Thätigkeit entfaltete, wüthete am Orte seiner eigentlichen Behau-sung , in seinem geliebten Köln?), langer, bitterer Streit zwischen demErzbischöfe und der Bürgerschaft der stolzen Stadt.
Die Kölner Handelsherren^), im Besitze eines Ungeheuern Reich-thums und großer Privilegien, glaubten in dieser Zeit allgemeiner Ge-waltthat nicht Unrecht zu thun, wenn sie sich allmählich der erzbischöf-lichen Herrschaft völlig entzögen. Conrad von Hochstaden war abernicht der Mann, der einer Schmälerung seiner Rechte mit ruhigemBlute zusehen mochte. Er, der muthige, mächtigste, erste Reichsfürstnach dem Kaiser, konnte solches Beginnen nimmermehr ertragen. Erbeschloß, die hvchfahrendcn Bürger zu demüthigen, sie ernstlich seinenZorn fühlen zu lassen und nicht zu ruhen, bis sie ganz seinem Willensich unterworfen. Er begann seinen Angriff damit, daß er die städtischeZollsreiheit aushob und die Waarcn der Kölner Kausleute dem erz-bischöflichen Zoll in Neuß unterwarf. Ebenso wenig nahm er Rücksichtans das herkömmliche städtische Münzprivilcgium. Es war bisher Sittegewesen, daß der Erzbischof nur bei drei außerordentlichen Gelegen-heiten, bei der Belehnung, beim Empfang des Palliums und bei einemRömerznge Münze schlagen sollte. Conrad aber, ohne den Wider-
1) Rudolph.
2) Bei Dante heißt er von diesem langen Weilen in Köln geradezu: Albertvon Köln.
3) Nach Ennen a. a. O- S. 37, der sich hiebei wohl an Gottfried von HägensReimchronik, die kölnische Chronik, die Leeuris aä raciieem posita (Urkunden Nr. 72,75 , 76 , 78 , 79 , 86 , 88 , 89, 17l) und an die Apologie des Erzstifts Köln hielt.Albertus heißt dort bald leelor sratrum UraoeUoaiorum, bald elrori episoopU8, letz-teres wohl erst in den späteren Urkunden. Vgl. Kreuscr, christlichen.Kirchcnbau,I, 375.