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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
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Der sei. Albertus wird nach Polen gesandt rc. 93

er sich in Begleitung von Brüdern und Geistlichen auf die Reise undkam auf vielen bösen Wegen zu den Gränzen Sachsens und in dasInnere Polens. Da fand er vor Allem, wie jene Völker noch bar-barische Gesetze und Gebräuche aus heidnischer Zeit beibehalten hättenEs galt als Gesetz, daß kein neugebornes Kind, das einen leiblichenFehler hat, am Leben dürfe erhalten werden, damit den Eltern unddem Staate nicht Menschen heranwachsen, die ihnen keinen Nutzenbrächten. Ja es war sogar die Zahl der Kinder bestimmt, welche dieEltern aufziehen durften, damit sie nicht am Ende wegen Ueberfülleder Kinder sie nimmer ernähren könnten. Noch mehr! Auch die ge-brechlichen Greise, welche keine Arbeit mehr verrichten konnten, wur-den gctödtct, und man hielt dieses sogar für ei» Werk der Pietät gegendie Eltern, weil diese dadurch von dem Elend des Alters befreit wür-den Z. Die Söhne zeigten selbst die Gräber ihrer Eltern, die sie aufsolche Weise erschlagen. Als Albertus, durcheilend die verschiedenenGauen des Landes, diese barbarischen Gebräuche sah, seufzte er überdiese Verblendung und Ruchlosigkeit der Menschen, die sich sogar nochChristen nannten. Jene Gebräuche waren vielleicht eher zu entschul-digen bei den Heiden, denen das Licht des Glaubens nicht leuchtete, dieMenschenleben, Recht und Würde der Menschen nicht achteten, aberbei Christen, die wissen mußten, daß alle Menschen als Gottes Eben-bilder und Erlöste durch Christi Blut großer Ehren würdig seien, unddaß darum Niemand ein Anrecht auf einen Menschen haben könne, alswäre er nur Sache oder Gebilde der Natur, mußten solche Mißständegewiß heilige Entrüstung Hervorrufen. Doch was bisher vergeblichwar versucht worden, gelang der Energie und der überwältigendenBeredsamkeit des Albertus. Zwar finden wir über die Resultate undMittel seiner Sendung keine ausführliche Schilderung ^); cs wird abermit Gewißheit berichtet, daß der große Meister durch Ausgießung desgöttlichen Wortes die steinernen Herzen der Menschen zur natürlichenPietät zurückgebracht, daß er sie unter das Joch des göttlichen Gesetzes

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t) Rudolph nennt das Gesetze der Wenden und Preußen.

2) Dieselben Erscheinungen treffen wir bei den meisten heidnischen Völkern desAlterthums und der Gegenwart. Nur das Christenthum ehrt den Menschen alsMenschen.

3) Darüber klagt schon Rudolph, dem dieser ganze Bericht entnommen ist.