Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

90

Kapitel XIH.

Frauenkloster nach der Regel und mit der Kleidung des heiligen Domi-nikus durch seine Autorität und Weisheit begründe. Albertus kam.Und da er wahrnahm, wie die ganze fromme Genossenschaft, von Ver-achtung der Welt erfüllt, bereit sei, nach dem Geruch der Salben desBräutigams zu laufen, pries er Gott mit glühender Seele. Er sprachmit ihnen über die Regel des Ordens und über die Klausur, der siesich unterwerfen müßten. Und wie er diese Seelen ganz in der LiebeGottes begründet sah, bestimmte er den Tag, an dem er diese kostbarenEdelsteine und ansgcwähltcn Blumen von den Töchtern der Welt scheidenund an den Ort führen würde, wo sie Christo, dem Bräutigam der Jung-frauen, als kluge Jungfrauen mit bereiteten Lampen immer dienen könn-ten. An einem Freitage, als er die Messe vor jener Jnngfrauenschaar inGegenwart mehrerer Ritter und Adeliger gelesen, führte er sie in Be-gleitung des Klerus und des Volkes in kirchlicher Prozession zu jenemaußerhalb der Stadt gelegenen Ort, der damals Alvoldinghusen ') hieß.Die Jungfrauen gingen mit bloßen Füßen einher und in arme Kleidergehüllt, indem sie Alles und sich selbst dem Orte geschenkt hatten,wo sie nun für immer bleiben wollten. Vor dem Altäre in einer altenKapelle der heiligen Jungfrau, welche sich damals dort befand, nahmAlbert ihnen das Gelübde ab, daß sie sich und ihre Nachfolgcrinendem Orden des heiligen Dominikus unterwerfen wollten." Dazu sagtHeinrich von Osthoven:Er zeigte ihnen in einer feurigen Anrede,wie sie nach der Regel des heiligen Augustin und den Satzungen desOrdens der Predigcrbrüder leben, um Gottes willen die Gemeinschaftlieben, alle Eigensucht verachten, demüthig, geduldig, ohne Murren, ohneZögern und sogleich heiteren Muthes gehorchen müßten; wie sie ihrenWandel einrichten, ihre Beschäftigung ordnen, sich unter einander einträch-tig lieben und dadurch der Wohlthaten, die ihnen der Orden gewährte,würdig zeigen müßten. Er erinnerte sie an die Bedeutung der Gelübdeund versprach für deren Haltung den Lohn des Himmels."Darauf schloßsie der selige Vater Albert unter einem Strome heiliger Thränen einzu ewiger Klausur und zur Haltung der Regel, während alle sangen:Das Reich der Welt und alle Zier dieser Zeit habe ich verachtet obder brennenden Liebe meines Herrn Jesus Christus! Als dieses ge-schehen, ertheilte er Allen den himmlischen Segen.

Bei dieser Feier gab er auch mit Bewilligung des apostolischen Le-gaten, des Kardinals Hugo, den beiden Töchtern des oben genanntenArnold, Gertrud und Oda, die Erlaubniß, von dem Benediktinerorden

1) Alvenshansen.