Der sel. Albertus eröffnet das Francnkloster Paradies. 89
entschloßen sich auf seinen Rath mehrere Edle der Umgegend, ebensogroß an Ehren wie reich an Schätzen, ihre Töchter Gott dem Herrnals jungfräuliche Dicnerincn zu weihen."
Ein Zeitgenosse, Heinrich von Osthovcn, erzählt uns die Vorspielejener Klosterstsftung mit noch größerer Genauigkeit'). Er sagt, dererste Gedanke zur Stiftung eines Nonnenklosters der Dvminikanerinenam Orte, wo dann Paradies entstand, sei vom Ordensgeneral Jo-hannes ansgcgangcn, der i. I. 1252 nach Soest kam. Dieser hatteden Bruder Eberhard Clodt beauftragt, der sicb wieder obigen Heinrichvon Osthovcn als Gchülfcn erwählte, an jenem Orte Gründe zu einerNiederlassung des Ordens zu erwerben. Obgleich zahllose Schwierig-keiten sich erhoben, und überall Feinde ausstandcn, das gute Werk zuhindern, so gewannen die Brüder doch mehrere Grundstücke und Häuserdaselbst, nnd eine große Schaar edler Frauen und Jungfrauen meldetesich znm Eintritt. Ritter Arnold von Widenbrügge, gerührt durch dieFlammenworte der Prediger, kam mit Frau nnd Töchtern, um sich undall 'das Seine dem Herrn zu weihen. Ritter Gerhard von Lo nndseine Gemahlin Agnes brachten ihre beiden Töchter; Adelheide vonRothcim zog sammt ihrer Tochter ein, Heinrich von Rüden mit Fraunnd Tochter; Christine von Dortmund brachte ihre Tochter sammt Ge-bäuden nnd Bcsitzthümern dem Herrn zum Opfer, nnd so noch mehrereHerren nnd Bürger der Umgebung. Auf solche Weise waren also dieSeelen nnd die Mittel für den Lcbcnsbcdarf der künftigen Bewoh-nerinen des Klosters erworben. Hören wir sofort wieder RudolphsBericht: „Nun bezogen die Frauen nnd Jungfrauen eine gemeinsameWohnung nnd begannen den Weg der Vollkommenheit zu wandeln,ohne sich noch an eine bestimmte Regel zu halten, oder gewisse äußereAbzeichen zu tragen. Aber bald verbreitete sich der Ruf dieser vornehmenJungfrauen wie der Duft einer edlen Nardc weithin, und immer meh-rere begehrten mit Sehnsucht, gleichfalls ihr Leben nach der Weisejener einzurichtcn. Da erkannte man die Nothwendigkeit einer festenGestaltung nnd sichern Ordnung dieses heiligen Unternehmens. Darumholte der Ritter Arnold ^), ein Ministerialc des Bischofs von Osnabrück,den weitberühmten Diener Gottes Albertus herbei, auf daß er ein
1) Bei Seibertz a. a. O. S- 284.
2) Heinrich von Osthoven schildert ihn also: Er war ein sehr angenehmer Mann,groß von Körper, streng mit Waffengenossen und in jedem Waffendienste geübt; sehrberedt, treu nnd aufrichtig in Nathschlägen, den Feinden furchtbar, seinem Bischöfeund der Kirche, Freunden und Verwandten eine treue Stütze, Bei Seibertz, S. 287,