80
Kapitel XI.
könnte er doch ein seltenes Vergnügen der Art dem Könige bereitethaben, da schon ein Schriftsteller des vierzehnten Jahrhunderts davonberichtet. Vielleicht hatte er einen Wintergarten, ein Treibhaus inden Räumen des Klostergartens herangezogen, in welchem er sei-nen hohen Gast bewirthete'), der noch nie Aehnliches gesehen. Esist dann sogar möglich, daß er mechanische Fignrchen von Vögeln auf-stellte, welche Töne von sich gaben. Denn Albert erzählt selbst vonsolchen Figuren als von bekannten Produkten. Er sagt^): „Barbitisind Figuren mit einem Bart, aus deren Munde ein Röhrchen heraus-kommt, während sie an der Rückseite einen Blasebalg angeheftet haben.Wenn dieser znsammengedrückt wird, tritt eine Lnftwelle in die Röhre,so daß der Gebartete dann Flöten zu blasen (üstrllars) scheint Hie-mit deutet der Meister an, wie solche Figuren gemacht werden, under bezeichnet sie als noch zu seiner Zeit existirend. Sollte er nicht selbstsolche gemacht, ihnen die Gestalt von Vögeln gegeben und sie in seinemWintergarten aufgestellt haben? Wir wollen hiemit natürlich nur eineVermuthung aussprechcn. So viel ist sicher, daß Wilhelm durch denBesuch und Verkehr mit Albert so sehr eingenommen wurde, daß ersich von ihm nach Utrecht (am Rhein) begleiten ließ und dort auf Al-berts Bitten ein schöngelegenes Haus den Predigerbrüdern als Klostererbaute und schenkte ^). Offenbar hat also Albcrts Bewirthung denKönig sehr entzückt, was doch wohl auf eine außerordentliche Erschei-nung schließen läßt.
Wenn wir dann die übrigen dem Albertus beigelcgten Wunder-künste noch in das Auge fassen, so werden wir gleichfalls nicht Allesin Abrede stellen können. Denn selbst sein Schüler Ulrich Engelbrechtsagt von ihm, daß er in den magischen Dingen bewandert gewesen^).Natürlich fällt es uns nicht bei, unter Magie hier die schwarze Zauber-kunst zu verstehen, den trauten Verkehr mit den Geistern der Finsterniß,in Folge dessen jene höhere Erkenntniß und Kraft dann erblühte. Gegen
1) So erklärt die Sage auch Buhle im Artikel „Albert" bei Ersch und Grubcr.
2) l?olit. p. 493. Er erklärt hier die Instrumente, welche Aristoteles aufzählt(VI, 3.). Uebrigens läßt Albert sich offenbar durch den Klang des Namens zu derDeutung verführen. Denn Barbiton ist eine Lyra gewesen.
3) Man sieht dieses Instrument noch in den physikalischen Kabineten. Nur hates jetzt gewöhnlich die Form eines Trompeters, und statt des Blasebalgs geht eineunsichtbare Röhre in das nächste Zimmer, wo dann eine Person hineinbläst.
4) So Beka und Will). Heda bei Quetif I, 167. Daher noch später die Wap-pen Wilhelms in den Fenstern und Gemächern des Klosters.
5) In revus inaxicis exxertus luit. Vgl. Prussia S. 126.