79
Wie viel Wahrheit in jenen Sagen liege rc.
Als es sich darum handelte, in welchem Style der neue Chor auszu-führen sei, da eben die neue Bauweise noch mit der alten romanischenim Kampfe lag, als man einer Aufklärung über die Vorzüge der Go-thik, über die Bedeutung der Siebenthcilnng des Chores und überaufznstellende Bilder bedurfte, da hat wohl Albert für die neue Bau-weise, die er in Paris geschaut, in der bald alle Dvminikanerkirchenerstanden, das Wort ergriffen, da konnte er am Besten den tieferenmystischen Sinn dieser Gestaltungen enträthscln. Und so kann ihmimmerhin ein Antheil am Neubau des Domes zugcschrieben werden ').
Somit können wir auf den Inhalt der übrigen Sagen übergehen.Alle schildern unfern Albertus als einen Mann, der wunderbare Er-scheinungen Hervorrufen konnte durch die Entfaltung seiner Natur-kenutniß, er erscheint uns als ein großartiger Taschenspieler oder alsZauberer.
Was jenes Ereigniß mit dem Könige Wilhelm von Holland be-trifft, so liegt der Erzählung offenbar ein historischer Kern zu Grunde.
Wilhelm, der im Jahre 1248 Aachen belagert und erobert hatte,worauf seine Krönung am ersten November geschah, kehrte über Kölnnach Holland zurück. Während seines Aufenthalts in Köln feierte erdas Fest der heiligen drei Könige, der Patrone der Stadt, mitallem Glanze. Dieses war also am Beginn des Jahres 1249. Da-mals besuchte er auch unfern Albertus^), angezogen durch dessenRuhm, der bereits überall hingedruugen war, und vielleicht auch ausNeugierde, um von dessen Wunderkräften sich zu überzeugen. Es istnun sehr wahrscheinlich, daß Albertus diese Gelegenheit benützt habe,um dem deutschen König auffallende Beweise seiner Kunstfertigkeit zugeben und ihn dadurch für den Orden günstig zu stimmen. Wennauch die Sage von der plötzlichen Verwandlung des vom Winterfroststarrenden Klostergartens in einen blühenden nnd mit allen Herrlich-keiten der Natur geschmückten Speisesaal eine llcbcrtreibung ft ist, so
1) Diese Ansicht sprach auch Kugler aus in der deutschen Vierteljahrsschrift 1842.(Kleinere Schr. II, 131.) Und gewiß ist die Beiziehung eines intelligenten Geistlichenbei Kirchenbauplänen von großer Wichtigkeit. Dafür spricht die Erfahrung der Neuzeit.
2) Das berichtet der Zeitgenosse Vincenz von Beauvais und Naynald. Vgl.Quetif I, 167.
3) ^VUIrelmns Hella sagt in seiner Geschichte des Bischofs Otto III. von Utrecht:lUaruit Uoe tempore Albertus Magnus, episeopu8 Uatisponnensi5 vir magnaelloetrinae, lle guo multa labuIaiUnr ln eonvivio, guoll xaraverat regst. Bei Quetifund Echard I. e.