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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Wie viel Wahrheit in jenen Sagen liege re.

würden doch gewiß nicht anzuführen vergessen haben, daß ihm derehrenvolle Auftrag geworden vom Churfürsten, den Plan der neuenKathedrale zu entwerfen. Es konnte auch eine solche Arbeit unmöglichgeheimgehalten werden.

Dann fetzt ohne Zweifel ein Bauwerk dieser Art eine praktische,langjährige Einübung der gothifchen Bauweise voraus, die wohl nurvon einem bloß diesem Fache lebenden Baumeister erwartet werdendarf. Ein solcher muß durch viele Bauten der Art mit den tech-nischen Mitteln und Schwierigkeiten sich ganz vertraut gemacht haben,da es sich um ein Werk handelte, das alle bisherigen an Schönheitund damit auch an Schwierigkeiten übertreffen sollte. Er mußte diebisherigen Bauten der Gothik, zumal wie sie in Frankreich eben ent-standen waren, einer langen und gründlichen Prüfung und Verglei-chung unterzogen haben. Denn die Anknüpfung an jene und der con-sequente Fortschritt über sie im Kölner Dom ist jetzt offenbar. Hierreichte also bloß allgemeine Kenntniß der Formen und Gesetze derGothik nicht ans, oder die Fertigkeit in Handhabung des Zirkels, odernoch weniger die Kunde der christlichen Symbolik, sondern es war vorAllem das Können nöthig, die erworbene künstlerische Tüchtigkeit, umden vorliegenden Ideen in ihrer ganzen Fülle und in ihrem Zusammen-hänge einen vollendeten Ausdruck zu geben. Diese wird aber nur ge-wonnen durch lange, mühsame, ausschließliche Beschäftigung mit demGegenstände. Daher traten mit dem Aufblühen der Gothik die Geist-lichen allmählich von der Bauführung ab und überließen sie Laienbau-meistern, die ausschließlich ihr Leben der Kunst widmen konnten, wäh-rend der Geistliche noch einer Menge andrer Pflichten zu genügen hat.Wir glauben auch, daß Albertus in jenen Jahren unmöglich die-thige Muße gefunden hätte, um sich in umfassende, tiefgehende Stu-dien der Gothik und ihrer bisherigen Schöpfungen zu versenken, oder gareinen solchen Plan auszudenken. War er doch in jener Zeit zu Parisund Köln Lehrer an den hohen Schulen, immer von Schülern um-drängt, in tausend Angelegenheiten als Orakel befragt und dazu alsSchriftsteller so unermüdet, daß er mit den Früchten seiner Forschungenwohl an sechs Folianten ausfüllte. Dazu kommt, daß die neuere For-schung über den Kölner Dombau wundersame Resultate zu Tag ge-fördert hat Z.

Es ist nämlich jetzt der Beweis geliefert, daß durch den Brand

1) Vgl. besonders die treffliche Kunstgeschichte von Schnallst V, 510 543, dermeist auf Lacomblets Urkundenbuch baut-