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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XI.

schaftlich zu begründen versucht. Sv sprach sich für diesen Gedankenzuerst öffentlich ans der Kanonikus Böcker in Wallrafs Beiträgen zurGeschichte der Stadt KölnWallraf selbst, dessen Verdienste geradeum das Andenken und die Reliquien unsers Albertus hoch zu rühmensind, huldigte wegen der Aehnlichkeit des Domchores mit dem derPredigerkirche gleichfalls dieser Ansicht. Ja, er soll seinen Schülernöfters erzählt haben, er habe in einer nun verlorenen Urkunde desdreizehnten Jahrhunderts ausdrücklich die Nachricht gelesen, daß Albertbeim Domban betheiligt gewesen ^). In weiterer, gelehrter Begründungfinden wir diese Meinung ausgesprochen von Krenscr, der eine Wolkevon Wahrscheinlichkcitsgründen vorführt ^). Auch Ennen hat sich neuer-dings dieser Ansicht zngcneigt. Endlich hält es der ehrwürdige Hei-deloff sogar für wahrscheinlich, daß Albert derjenige gewesen, der über-haupt die gothische Bauweise nach Deutschland verpflanzt, d. h. dasGeheimniß der Gothik, die Kunst des Achtorts, zuerst consequcnt undwissenschaftlich ansgebildet habe ^). Er will sogar gefunden haben, daßdie Gothik darum in alten Steinmetzenbüchlein die Albertinische Kunstgenannt worden sei.

Was ist nun von solcher Ansicht zu halten, welche von so wür-digen Männern aufgestellt und vertheidigt worden? Ist es wahr-scheinlich, daß Albert den Bauplan des herrlichen Domes entworfen,der mit wenigen Ausnahmen von den Sachkundigen aller Nationen fürdas vollendetste Muster der Gothik betrachtet wird?

So sehr wir auch die begründete Ueberzengung hegen, daß Albertstaunenswerthe Kenntnisse in den mathematischen und mechanischen Wis-senschaften besessen, daß er vielleicht auch in der Banknnde nicht uner-fahren gewesen, so können wir ihn doch nicht für den Schöpfer desDomplanes von Köln halten. Einmal mag schon der Umstand Beach-tung verdienen: Keiner der Biographen des Albertus thut eines solchenWerkes Erwähnung. Sie, welche gewiß mit Lust seine Verdienste her-vorheben und die ihm gewordenen Auszeichnungen sorgfältig schildern,

1) Seite 84.

2) Mündliche Mittheilung des Herrn Justizraths Haaß, Kaplan Bock und Pro-fessor Weyden in Köln. Ein alter Pastor bei Köln, ein Schüler Wallrafs, könnedas noch bezeugen.

3) In seinen Dombriefen (Berlin 1844, IV. Brief) und im christlichen Kirchen-bau (I, 378 u-ff-), wo er übrigens die Entscheidung der künftigen Forschung an-heimstellt.

4) Der kleine Altdeutsche I. Curs. S. 17 25. Nürnberg 1849.