Was der Volksmund vom sel. Albertus aus jener Zeit zu erzählen weiß. 75
seinem Erscheinen geglaubt, er kniee, und ihn aufstehen hieß. Ja eswird sogar erzählt, Albertus habe sich ausdrücklich von Gott erbeten,einige Tage im Fegfeucr zubringen zu dürfen, damit er auch diese Re-gion kennen lerne, nachdem er Alles auf Erden erforscht hätte Z.
Wir sehen aus dieser Zusammenstellung der Sagen, welche wieein Dunstkreis den Namen unsers Albertus umhüllen, wie auffallendseine ganze Erscheinung und Wirksamkeit muß gewesen seyn, da sichdie verschiedensten Mythen und Poesien an seine Person angeknüpfthaben. Albert wurde zum Träger dessen, was das Volk anstaunt unddrum bei allen großen Männern vermnthet, was es von andern ge-hört hat; alle seine Handlungen erscheinen im gebrochenen Lichte derPhantasie, seine außerordentliche Kunst und Wissenschaft machen, daßman ihm Theilnahme an der Allmacht und Allwissenheit zuschreibt,diese aber am Ende nur aus dem unerlaubten Verkehr mit der Geister-welt sich erklären kann.
Kapitel XI.
Wie viel Wahrheit in zenen Sagen liege. Des Albertus Detheiligungam Kölner Dombau. Seine Zauberkünste.
Wir haben bereits oben die Andeutung gegeben, daß die sagen-bildende Phantasie nicht eigentlich schöpferisch zn Werke gehe, sondernan Vorhandenes anknüpfe, dieses umzugestalten und anszuschmückenwisse. Es lohnt sich darum gewiß der Mühe, dem Grundstoffe jenerSagen nachzugehen und zu untersuchen, welches der Stamm der Wahr-heit gewesen, um welchen jene reichen Ranken der Mythe sich üppigangelegt.
Vor Allem ist der Antheil zn erwägen, welcher unserm Albertusam Baue des ruhmreichen Domes zu Köln znkommt. Denn jene Sagehat ihm ja den Entwurf des Planes selbst zugesprochen. Und wohlangeregt durch jene Erzählung des Volkes, haben schon mehrere umKunst und Geschichte hochverdiente Forscher jene Ansicht auch wissen-
1) Auch diese Sage stammt vom Thomas von Cantimpre, der von einem krankenManne erzählt, er habe drei Tage Fegfeuer erwählt statt eines Jahres fernererKrankheit. Aber nach kurzem Aufenthalt im Fegfeuer habe er wieder um Krankheitgebeten, wenn sie auch bis zum Lebensende währen sollte, statt der Peinen des Rei-nigungsortes.