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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel X.

langte Bruder Albert lächelnd den Schnappsack des Gesellen, griff mitder Hand hinein, band den Sack dann wieder zu, gab ihn dem Bur-schen zurück und sprach: Geh nun schnell nach Hause; mache aber denSack nicht auf, bis du zu Hause angekommcn; dort öffne ihn, und duwirst etwas schauen. Dann binde ihn wieder zu und komme und sagemir, was du gesehen. Der hocherfreute Geselle hatte kaum das Stadt-thor von Köln im Rücken, da stach ihn schon die Neugierde, er setztesich nieder und öffnete den Sack. Da sprangen zwei stämmige Kerleheraus, die Leisten in den Händen trugen, und damit so lange aufihn losschlugen, bis ihm fast das Bewnßtseyn verging. Zuletzt be-dachte er sich noch, daß Bruder Albert gesagt, er müsse den Sack wie-der zubinden. Das that er nun auch und sogleich verschwanden dieBeiden, welche ihn so jämmerlich geschlagen hatten. Da ging der Ge-selle nicht mehr weiter, sondern eilte stracks zum Bruder Albert zurückund bat ihn, doch den Sack wieder zu machen, wie er zuvor gewesen.Er wolle nichts mehr von seiner Kunst sehen. Albert erfüllte lächelndseine Bitte. Der Geselle aber gedachte der Kunst des Albertus seinLeben lang ff.

Endlich wird uns noch berichtet, Albert habe einen Zauberbecherbesessen, in welchen er nur Wein oder Wasser goß, worauf er mitdiesem Trank die Kranken aller Art heilte ff.

Das sind die wichtigeren Sagen, die noch die Neuzeit von un-serem Meister zu erzählen weiß.

Noch eine Fülle anderer Sagen der Art war aber bereits am Endedes Mittelalters im Umlauf, so daß die ersten Biographen des Albertusschon dagegen zu protestiren gcnöthigt sind. So erzählt Prnssia, manhabe die Fabel erfunden, Albertus hätte die Tochter des Königs vonFrankreich durch die Lüste nach Köln entführt ff, er sei auf dem Rückendes Teufels nach Rom geritten, um den Papst von einer Sünde ab-zuhalten ff, er habe mit Alexander dem Großen den ganzen Erdkreisdurchzogen, .er sei so klein von Gestalt gewesen, daß der Papst bei

1) Schöppners Sagenbuch I, 416.

. 2) Vgl. v. Bianco, Geschichte der Universität zu Köln I. Bd.

3) Er erklärt auch nach Thomas Cantipratanus, woher diese Fabel gekommen.Albert hatte in Paris vor dem Bischöfe und vielen Lehrern eine Disputation gehaltenüber den geheimnißvollen Uaxlus irrulierum, wovon zu seiner Zeit ein Beispiel inDeutschland sich zngetragen.

4) Diese Geschichte erzählt Vincenz von Beauvais im sxeeul. Iristor. lib. XX,eax. III vom hl. Bischof Antidius- Bei Prussia S. 311.