Was der Volksmund vom sel. Albertus aus jener Zeit zu erzählen weiß. 73
harte Buße auf sich und tritt in einen strengen Orden. Und nachAblauf von achtzig Jahren führen sie neun Engel ein in das Him-melreich Z.
Eine weitere Sage bezieht sich abermals auf das Verhältniß desAlbertus zum oben genannten Wilhelm. Dieser, noch als Graf vonHolland lebend, soll einstens dem Albertus verheißen haben, ihm ewigenDank zu zollen und ihm Alles zu gewähren, was er verlange. Dabittet ihn Albert, wenn er einstens in großer Macht stünde, möchteer ihn nicht zurückstoßen, sondern durch Almosen unterstützen. Auf dasfeierliche Versprechen des Grafen läßt Albertus seine Zauberkunst wir-ken: Ein wundervoller Pallast entsteht, Ritter in Fülle kommen herbei,das Volk erwählt den Grafen Wilhelm znm König und setzt ihn aufeinen prunkenden Thron. Da naht ihm, nachdem er drei Jahre alleHerrlichkeit eines Königs genossen, Albertus im Bettlerkleid, gemahntihn seines Versprechens und fleht um Hilfe. Aber Wilhelm, von In-grimm erfaßt, läßt den kecken Bettler von seiner Thüre weisen. Dathut Albertus abermals seinen Spruch, aller Zauber ist verschwunden,Hallen und Ritter sind nicht mehr zu schauen, Wilhelm ist wieder einarmer GrafZ wie ehedem.
Eine andere Sage — wir sehen, die sagenbildcnde Phantasie istunerschöpflich bei Betrachtung nnsers Albertus — berichtet uns Fol-gendes: Ein fahrender Schuhmacher kam einmal nach Köln. Da erbereits oft von Bruder Albert und seinen Künsten hatte reden ge-hört, wollte er sie selber erproben, ging mit seinem Schnappsacke zurPforte des Predigerklostcrs und verlangte den Bruder Albert zu sehen.Auf Befragen des Pförtners um den Zweck seines Hierseyns wollte erdiesen durchaus nur dem Albert selber mittheilen. Da ließ ihn dieserans die Zelle kommen und fragte ihn um sein Begehren. Hierauf erklärteder Geselle: Ich habe schon manch seltsam Wort gehört von eurenKünsten und Geschicklichkeiten, nun komme ich, euch zu bitten, mir Etwasdavon zu zeigen, damit ich glauben kann. Ich gehe nicht eher voneuch, bis ihr mich etwas von eurer Kunst habt sehen lassen. Da ver-
1) Der Schluß ist charakteristisch für das Mittelalter: Auch die großen Sünderkehren sich am Ende zur Buße und sterben versöhnt mit Gott, während moderneDichtungen das trotzige Verharren in der Sünde bis zum Ende oder Beseligung derBösen ohne Buße uns verführen.
2) Schöppners bayr. Sagenbuch I, 420. Wohl eine Satyre auf Wilhelms kurzeNegierung, aus seine Erhebung durch den Klerus und seinen schmählichen Tod ineinem Sumpfe.