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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel X.

mit menschlicher Stimme den Grnß ihm bot: 8n1vo, snlvo, snlvs! Daschwand dem edlen Schüler fast das Bcwnßtseyn, und er glaubte, derFürst der Hölle treibe mit ihm sein Spiel. In seiner Angst und Ver-wirrung suchte er sich gegen den Versucher zu helfen, wie er konnte,ergriff einen neben ihm stehenden Stab und schlug unter dem Ansrufe:Fort, Satan! in kräftigen Streichen auf den vermeintlichen Bösen los,bis die Gestalt unter seltsamem Gestöhn und Geklirr zusammenbrach.Eben wollte Thomas in hastiger Flucht die Zelle verlassen, da tratder Meister Albertus über die Schwelle! Kaum hatte dieser wahr-genommen, was während seiner Abwesenheit vorgefallen, so fuhr erim gerechten Zorn über die Vernichtung der Frucht seines laugen Fleißesden Schüler mit den Worten an: Thomas, Thomas, was Last dugethan! Das Werk dreißigjähriger Mühe hast du mir in einem Au-genblicke vernichtet!"

Nach dieser Sage hätte also unser Albertus einen menschlichenAutomaten gefertiget, welcher einige Worte zu sprechen vermochte.

Noch eine Reihe andrer Sagen schließt sich an die vorigen an,welche aber schon der Geschichte ferner zu liegen scheinen. So dieSage von der üppigen Königin, wovon die alten Meistersänger zuberichten wissen'). Pietisyla, eine Tochter des Herzogs von Saatz,so erzählen sie, habe in böser Lust nach einander nenn Jünglinge aufihr Schloß verlockt, sie zur Sünde verleitet und dann durch ein ge-heimes Brettchen in den See hinabgestürzt. Als sie dasselbe mich anAlbertus versuchen wollte, durchschaute der Weise ihre List durch dasGlas seiner Kunst. Er hält ihr vor, er sehe neun Jünglinge schweben,die ihn warnen, und er höre die Wasser unten brausen, die ihn tödtcnsollen. Da läßt die Königin voll Erbitterung ihn binden und in denSee Hinabstürzen. Aber die Stricke brechen, er geht lustig ans demWasser einher, die auf ihn geschleuderten Pfeile verwandeln sich inVögel, die ihn umflattern. Und nun zieht er in den Wald und bindetallen Vöglein, die ihm freudig nahen, Briefe in den Schnibcl, indenen stand: Nenn mordete die Königin um Minne! So ward ihreSchande allüberall bekannt durch Stadt und Land. Da erfaßt sie endlichgroßer Schmerz um ihrer Vergehungen willen. Sie kommt zum Al-bertus, der sich ihr zu erkennen gegeben, beichtet ihre Schuld, nimmt

1) Nach einem Meistersang von Martin Schleich in des Knaben WnnderhornII, 237, und bei Schövpner I, 410. Da ist die Literatur angegeben. Pwsaisch beiMittermaier, Sagenbuch von Gundelfingen, Lauingen, Dillingen, Hochstedt. S. 29.Dillingen 1849.