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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
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Was der Volksmund vom sel. Albertus aus jener Zeit zu erzählen weiß. 71

in lieblicher Reihe die Tafel, bedienten die Herren mit freundlichsterGewandtheit und brachten Gang auf Gang, ohne daß Jemand sah,woher alle diese Gerichte gekommen wären. Kaum hatte man abernach eingenommenem Mahle dem Herrn das Dankgebet gesprochen, soverschwand im Nu der Zauber. Die ganze Gesellschaft befand sichplötzlich wieder in der kalten Wirklichkeit, in der erstarrten winterlichenNatur

Hier erscheint also Albertus in der Rolle eines Magiers, mit derGlorie eines Zauberers.

Die dritte Sage spielt gleichfalls in jener Zeit, wo Albertus alsLehrer und Führer des jungen Thomas von Aqnino in Köln wirkte.Sie erzählt uns nämlich Folgendes ^):

Albertus hatte im Predigerkloster zu Köln außer der ihm zukom-mcnder Zelle noch eine andre etwas abgelegene Zelle sich erwählt.Dort brachte er oft ganze Tage zu, wenn ihn nicht sein Amt in dieKirche oder auf den Lehrstuhl rief. Mancher Bruder des Klosters sahmit äugstlicher Scheu nach dieser Heimlichen Werkstätte, in der Albertzimmerte, hämmerte, seilte und drechselte. Thomas, der mit gespannterNeugierde dieses geheimnißvolle Wesen seines Meisters beobachtete,benützte einst die Abwesenheit desselben, um sich dieses Gemach etwasnäher zu betrachten. Mit Beklommenheit trat er in das Laboratorium.Sonderbare Thiere, wie er nie gesehen, künstlich gearbeitete Instru-mente, Gefäße und geheimnißvolle Apparate waren da ausgestellt. DasStaunen des jungen Thomas wuchs, je länger er sich nmsah. Dochnoch winkte in einer Ecke des Gemachs ein Geheimniß, indem einfeuerrotster Vorhang, in dichten Falten herabwallend, einen Gegen-stand bedeckte. Er schob den Vorhang scheu zurück,, und bebend vorAngst ind Verwirrung stand er plötzlich vor einem wunderlieblichenZauberbilde, das verführerisch seine Sinne zu berücken drohte. Erwollte stehen, aber mit magischer Gewalt fühlte er sich zurückgchalten,und widw Willen mußte er unverrückt seinen Blick aus die Zaubcrgestaltdes Mädchens richten. Je länger er hinblickte, desto mehr flimmertees vor seinen Augen, desto verworrener drängten sich die Gedankenin seinem Kopfe. Und nun kam noch dazu, daß die räthselhafte Gestalt

1) Bei Ennen hat die Sage noch eine Fortsetzung. Albertus wird zum Ent-gelt darauf zu des Königs Tafel geladen und erneuert hiebei den Spuk.

2) Glnchfalls von keinem früheren Autor erzählt. Gumpelzheimer berichtet sievom Aufenthalt Alberts in Negensburg, ohne zu bedenken, daß Thomas niemals inRegensburg geweilt hat. Sie ist bei Ennen S. 28 zu finden-