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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Was der Volksmund vom sel. Albertus aus jener Zeit zu erzählen weiß. 69

blühender Jüngling mit reichen, blonden Locken, trug die Setzwage. Alsobekundeten sie, daß sie Meister waren der heiligen freien Baukunst.Ernst, feierlich schritten sie einher; ihnen folgte in Himmelsschöne dieheilige Jungfrau, in ihrer Rechten einen mit hcllschimmernden Blüthengeschmückten Lilienstengcl tragend. Die vier Meister begannen nunnach Anweisung der heiligen Jungfrau mit der größten Emsigkeit denPlan zu einem majestätischen Kirchenbau zu entwerfen. In hellstrah-lenden Linien bildete der Aufriß sich zu einem erhabenen Ganzen fort,wie Albert nie das Bauwerk nur zu ahnen vermocht hatte. Aber nichtlange dauerte der holde Zauber. Eben schien der ganze Riß in HellemSternenscheine sich zu einem entzückenden Ganzen gestaltet zu haben, soverschwand die liebliche Erscheinung vor seine» staunenden Augen. Dochdas Bild des ganzen Wunderbaues, wie ihn die vier gekrönten Meister')nach der Angabe der Gottesmutter entworfen hatten, blieb seiner Seelegegenwärtig. Und nun war er im Stande, einen Plan zu liefern,der in Allem den kühnsten Wünschen seines Kirchenfürsten entsprach.

So erzählt die Sage, welche übrigens ziemlich neuen Ursprungs ist.Ihr zufolge wäre also unser Albertus der Schöpfer des Planes, nachwelchem der jetzige Wnnderdom ausgeführt worden.

Die zweite Sage bezieht sich auf den berühmten Besuch des deut-schen Königs Wilhelm von Holland bei unserm Albertus im Kloster zuKöln 2 ), wobei dieser eine Probe seiner Zauberkunst gegeben haben soll.Die Sage lautet also:

Es war im Jahre 1249 um Epiphanie, daß der junge Wilhelmvon Holland, der i. I. 1247 zum deutschen König war erwählt wor-den, nach Köln kam, um den heiligen drei Königen seine Verehrungzu zollen und um an ihrem Grabe seine Opfer für den neuen herr-lichen Dombau niederznlegen. Diese Gelegenheit wollte der hochher-zige Freund und Beschützer deutscher Kunst und Wissenschaft nicht vor-über gehen lassen, ohne dem weltberühmten Pater Albertus einen Besuchabzustatten. Sobald am Feste der drei Weisen die kirchliche Morgen-

1) Die vier gekrönten Märtyrer, qustuor eoronati, die Patrone der Stein-metzen.

2) Die wundersame Geschichte erzählt zuerst Johannes de Beka, ein Schrift-steller (1346) von geringer Autorität, und nach ihm die belgische Chronik (vom Jahre1474), Joh. Cuspinianiis und Trithemius. Vgl. Echard und QuetifI, 169. Inneuerer Zeit wurde die Sage poetisch ausgeschmückt von E- Ebert u. A. Vgl. Schopp-ners bayrisches Sagenbuch I, 417. Wir halten uns an Ennens Erzählung, indemwir nur einige Worte zu ändern uns erlaubten.