68 Kapitel X.
des Albertus geknüpft, auch eine wirkliche Thatsache, ein Motiv zuGrunde liege.
Die erste Sage betrifft den Bau des wunderbaren Domes zuKöln. Eben als Albert wieder nach Köln heimkehrte (i. I. 1248),war die alte romanische Domkirche') durch eine Fencrsbrunst zum Theilzerstört worden. Damals saß auf dem erzbischöflichen Stuhle zu Kölnein Mann, der von Begierde brannte, dem großen Schatze, den dieKölnerkirche besaß, den Leibern der heiligen drei Könige, einen Tempelzu erbauen, der seines Gleichen nicht auf dem Erdkreise haben sollte.Es war Conrad von Hochstradcn, ein überaus mächtiger, reicher,frommer, großmüthiger, thatkräftiger, aber manchmal hitziger und ge-waltthätigcr Kirchcufürst. „Da der Erzbischof Konrad," sagt dieKölner Chronik^), „über die Massen reich war an Gold, Silber undEdelsteinen, begann er große und kostbare Dinge zu bauen, da be-gründete er den großen und ewigen Bau, den Dom." Er soll nunschon mehrere Jahre vorher dem Albertus den Anftrag gegeben haben,den Plan zu einem neuen, unvergleichlichen Dome ih»v zu entwerfen.Und die Sage erzählt, dem Albertus entstamme wirklicher Plan desjetzigen Wunderbaucs, aber er sei nicht so fast die Frucht seiner Wissen-schaft, seines eigenen langen Nachsinnens und Mähens, sondern wiederein Geschenk der Gottesmutter. Albert saß, heißt es ^), einst mit demprojektirteu Bau beschäftigt, im tiefen Nachdenken auf seiner Zelle.Inbrünstig betete er um Erleuchtung zur Bollendung des Werkes, daser zu Gottes Ehren bauen wollte. Wie Wetterleuchten zuckte es Plötzlichvor seinen Augen. Erschreckt schaute er ans und sah sich von einemmilden Lichtglanz umflossen, der ihn alle Gegenstände genau erkennenließ. Da schritten vier Männer in weißen Talaren in seine Zelle;auf ihren Häuptern strahlten goldene Kronen, wie Edelgestcin schim-mernd im Lichte. Der erste, ein ernster Greis, trug einen reichen,weißen, über die Brust wallenden-Bart, und in der Rechten zeigte er denZirkel; der zweite, etwas jünger dem Anssehen nach, .führte dasWinkelmaaß; der dritte, ein rüstiger Mann, dessen Kinn ein dunkler,krauser Bart umschattete, führte den Maaßstäb, und der vierte, ein
1) Deren muthmaßlichen Plan und Zeichnung Boisseree, Geschichte und Beschrei-bung des „Doms von Köln" im Anhang (I. Tafel), gegeben hat.
2) Nach Ennens „Albert der Große". S. 23.
3) Die Sage nach Ennen a. a. O. Uebrigens existiren mehrere verschiedene Sagenüber den Plan des Kölner Domes. Eine derselben bearbeitete köstlich Dumasin seinem Werke: Vo^a^o aux boräs äu Itbln.