Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Die philos. und theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 67

Besondere Erwähnung verdient auch, daß Albertus in diesemWerke (im vierten Theile) mit einer Ausführlichkeit die Sündengegen die heilige Reinigkeit bespricht, welche nur durch die Dar-stellungen eines Snarez in späterer Zeit noch übcrtroffcn wird. Ernimmt hiebei besonders auf das eheliche Leben (äist. XXXI) Rücksichtund sucht mit Aufbietung seines reichen Schatzes naturhistorischcr undmedicinischer Kenntnisse das Naturgemäße und Erlaubte vom Unnatür-lichen und Sündhaften auf diesem Gebiete zu unterscheiden. Ganztreffend sagt Albert hiebei selbst von derlei Untersuchungen:Eigentlichsollte man solche Fragen über das Unsittliche niemals aufwerfen undbesprechen; man kann nie ohne Beschämung davon reden. Aber dieUngeheuer von Sünden, die heut zu Tage in der Beichte Vorkommen,nöthigen wohl dazu. Auch sollen die, welche ihre Sünden damit ent-schuldigen wollen, daß sie sagen, solche Akte seien naturgemäß, über-wiesen werden, daß sie gegen die Natur handeln." Wir sehen also,Albertus hat auch dieses schwierige und abstoßende Thema nur auschristlicher Liebe«und aus Eifer für das Heil der Seelen behandelt, under gibt nun auch den Priestern in dieser Abhandlung die trefflichsteAnleitung zur Ausübung des Amtes der Scclenführuug.

Und so ist uns klar aus diesen Angaben, wie Albertus in diesemZeiträume wahrlich nicht dem Gebete und Unterrichte allein lebte, son-dern auch als Schriftsteller damals einem Baume glich, der hundert-fältige Frucht bringt.

Kapitel X.

Was der Volksmund vom seligen Albertus aus jener Zeit zuerzählen weiß.

Die früheren Biographen berichten zwar von den sonderlichen Vor-fällen aus Alberts Leben nichts, die wir hier erzählen wollen. Aberwir können sie doch nicht ganz verschweigen. Die sagcnbildende Phan-tasie webt ihre Gebilde nicht in vollkommener Willkühr, sie verfährtnicht in ganz schöpferischer Weise, sondern sie knüpft fast immer anein wirkliches Ereigniß der Geschichte oder der Natur an, gestaltetdieses nur unwillkührlich um nach den Gesetzen der Schönheit, gibt ihmdurch Ausschmückung und Erweiterung höhere Glorie und hält es sodem staunenden Volke wieder vor Angen. Und so dürfen wirwohl annehmen, daß den meisten Sagen, die sich an den Namen

5 *