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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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65
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Die philos. und theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 65

Du ihn durch Vertreibung des Teufels heilest.« Uud als der Teufelausgetriebeu war, erthcilte er dem Menschen mit einer Partikel dercousccrirteu Hostie die Commuuivn. Bei der Ablution der Hände botich mich dazu als Diener au uud sprach mit Ehrfurcht: Herr, langewünschte ich, über die verborgenen und tiefen Dinge in den Bücherndes heiligen Dionysius, zumal über die Gnade der wahren Heiligkeit,belehrt zu werden. Er antwortete gütig: Nach der Messe komme mitin das Hans des Priesters Aaron, das jenseits des Wassers liegt.Ich folgte nun dem Apostel nach Beendigung der Messe. Als wir andas Wasser kamen, ging der Apostel mit Leichtigkeit hinüber. Da ichaber das Wasser mit den Füßen zu berühren begann, wuchs cs in'sUnendliche, so daß mir der Durchgang unmöglich war. Der Apostelging nun in das Haus Aarons ein, das er mir gezeigt hatte, und ich,voll Bekümmerniß, wie ich ihm folgen könnte, bin plötzlich vom Schlafeerwacht. Nun sann ich nach und fand die Auslegung des Traums.Denn das von mir bereits erklärte erste Kapitel handelte von der Aus-treibung des Teufels aus dem Menschen durch die Taufe. Dem Ge-tauften wird dann die Theilnahme am Sakramente (der Eucharistie)gestattet. Den, welcher mit dem Chrisma gesalbt ist, führt sofort dasfolgende Kapitel in das Haus des Priesters Aaron, denn cs handeltdieses vom Chrisma, womit die Bischöfe gesalbt werden. Die Tiefedes anwachsenden Wassers hatte mich abgcschreckt vom Schreiben, aberder Apostel hat mir durch die göttliche Gnade den Ucbcrgang leichtgemacht. So also habe ich mich wieder zum Schreiben angeschickt unddurch Gottes Hilfe vollendet, woran ich ob der eigenen Schwäche ver-zweifeln wollte."

Wir sehen aus diesem Berichte, daß Albert die Ucberwindung derSchwierigkeiten dieses dunkeln Buches einem gnädigen Traume znschrieb.Was Tage lang der Gegenstand seines Nachdenkens, Sinnens undLesens gewesen, das ist im Schlafe ihm als Traum entgcgengetretenund hat im Bilde zugleich den Schlüssel der Lösung geboten. Imwachen Leben sind unsre See.lenkräfte häufig den Truppen gleich, dievereinzelnt und zerstreut wirken; aber im höheren Schlafe haben siesich vereinigt wie eine concentrirte Armee*), und vermögen oft zuerstürmen, was im wachen Leben eine Unmöglichkeit gewesen. Wirkönnen also diesen Traum so ziemlich sicher als natürliche Erscheinungausfassen, da alles Außerordentliche, von unmittelbarer ErleuchtungGottes Zeugende fehlt. Um so mehr können wir dieß annehmen, als

1) Vergleich unsers tiefsinnigen Philosophen Franz v. Baader.

Sighart, Albert d. Große. 5