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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Die philos. und theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 63

trat auch auf diesem Gebiete in herkömmlicher Weise als Schriftstelleraus Wir wissen, daß Albert während des ersten Aufenthaltes deshl. Thomas in Köln die Bücher des sogenannten Dionysius vomAreopag erklärte. Auch diese Borträge, die er entweder selbst ge-schrieben oder die er einem Schreiber diktirt ') hatte, haben sich unserhalten.

Da diese Schrift für die Gesammtwirksamkeit des Albertus vonhoher Bedeutung ist, weil wir ihn hier als Mystiker bewundern müssen,während er sonst als Repräsentant der Scholastiker gilt, und da sichdaran eine alte Tradition knüpft, müssen wir etwas ausführlicher da-von handeln.

Diese Werke ^), deren Ursprung in das fünfte Jahrhundert zurück-reichen mag, galten im ganzen Mittelalter als Produkte des vomApostel Paulus durch die Heilspredigt gewonnenen Dionysius vomAreopag, und wurden deßwegen, als von einem Apostelschüler stam-mend , mit höchster Verehrung betrachtet und mit Sorgfalt durchforscht.Man glaubte, in dem dunklen Blätterwerk dieser ans dem Neupla-tonismus stammenden Schriften die tiefsten Geheimnisse des Glaubenswie üppige Rosen aufgeschlossen zu finden. Es sind darin auch ohneZweifel Gedanken voll Glanz und Tiefstnns, Wahrheiten von ächtchristlichem Gepräge, gesunde Früchte christlicher Spekulation in über-reicher, blendender Bildersprache enthalten. Aber es fehlt auch nichtan Ueberschreitnngen des rechten Maaßes, an unwürdigen Vorstellungen,an ganz willkührlichen Deutungen, an Behauptungen, die an den Jrr-thum gränzen. Wenn auch der Glaube an den apostolischen Ursprungder Schrift das Hauptmotiv gewesen bei jener Zuneigung des Mittel-alters zu diesen Werken, so lag doch ohne Zweifel auch gerade imDunklen 3), Geheimnißvollen derselben ein besonderer Reiz, man meintehier eine Art Ergänzung der biblischen Offenbarung, Aufschlüsse überden Staat Gottes da oben und dessen Abbild auf Erden zu finden.

Und so darf cs uns nicht wundern, wenn die größten Geister des

1) In den Bibliotheken fanden sich Mannscripte, die Albert selbst geschrieben,und solche, welche sein Ammanuensis geschrieben, er aber corrigirt hatte. NachQuotif und Echard I, S. 172.

2) De äivma Nierarelria, äs Irisrarclris ecelesiasliea, äs nominibus äiviuis,äs m^stiea tlieologia et littsrae. Vgl. die Abhandlung von Engelhardt. Sulzb. 1823,und die Mystik von Görres I. Bd. S. 227233.

3) Leotus Lrigena sagt: Opus valäe anlraetuosum, long-sHus a moäerms

-seusibus remotum, paueis axertum, non solum propter antiguitatem, verumstiam eoelestium altituäiuom mxsteriorum. Bet lVligns katrol. p. 1034.