Die philos. und theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 61
Philosophie als den Träger der natürlichen Wissenschaft, wie sie mitder christlichen Wahrheit im herrlichsten Einklänge steht.
Das war also die große Aufgabe, die der Zeit des Albertus oblagund die er gerade in jenen Jahren seines Lebens, bei deren Betrach-tung wir stehen, größtenteils gelöst hat. Es ist eine Aufgabe, derenAusführung in solcher Zeit nur seinem Riescngeiste, feinem Scharfsinne,seinem unermüdcten Fleiße, seiner gewaltigen Belesenheit und wohlauch seiner eisernen Körperkraft möglich war. Wir vermögen cs nichtzu fassen, wie ein Mann Solches zu leisten im Stande war in einemMenschenleben.
Wir beschränken uns hier darauf, die Bücher Alberts zu nennen,welche philosophischen Inhalt haben und deren Entstehung in dieseZeit fällt').
Voran stehen die logischen Schriften ^), die Albertus wohlzuerst behandelte, weil ihm die Logik überall als Vorbereitung undEinleitung in die übrigen Wissenschaften gilt. Er gibt hier die ver-schiedenen logischen Werke des Aristoteles in paraphrastischer Ueber-setzung, wobei er die logischen Forschungen der früheren Philosopheneinschaltet und würdigt.
Daran schließen sich die zahlreichen naturwissenschaftlichen Schrif-ten, die den Titel der Physik tragen. Albert gibt in der Vor-rede das Motiv zu diesem seinem Hauptwerke selbst an, indem er sagt:„Unsere Absicht bei dieser Bearbeitung der Naturwissenschaft ist, nachVermögen den Brüdern unsers Ordens zu willfahren, die uns seitmehreren Jahren bitten, daß wir ihnen ein solches Buch über dieNaturdinge verfassen sollten, in dem sie eine vollständige Naturwissen-schaft hätten und mittelst dessen sie die Schriften des Aristoteles genü-gend verstehen könnten. Obwohl wir uns nun zu einem solchen Werkenicht für fähig erachten, konnten wir doch den Bitten der Brüder nichtwiderstehen, und haben, überwunden durch das Flehen Einiger, dieArbeit, die wir oft verweigert, endlich zugcsagt und übernommen, vor
geleistet mit einem Erfolge, daß H. Ritter sagen kann, Albertus habe den Aristo-teles wohl besser verstanden, als unsre großen Philologen.
1) Im II. Theile werden wir den Inhalt dieser Bücher genauer schildern.
2) In der Gesammtausgabe bet Jammy Bd. I.
3) Diese Schriften füllen die Bände II, III, V, VI und zum Theil XX beiJammy, also fünf Folianten I Daß diese Schriften aber wohl größtentheils in jeneZeit fallen, haben wir oben bewiesen. Nnr die letztem kleinern Schriften konntenspätere Gelegenheitsschriften seyn-