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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Kapitel IX.

sie nun zum Gegenstand des eifrigsten Studiums'). Besonders warendie neuen Orden thätig, solche kostbare Schätze und Mittel des wissen-schaftlichen Fortschrittes ihren Häusern mitzutheileu. Und so kam es,daß während des Aufenthaltes unscrs Albertus in Paris bereits einegrößere Anzahl dieser aus dem Arabischen übersetzten Schriften desAristoteles vorhanden waren, welche er sich ohne Zweifel zn verschaffenoder zu copircn wußte. Außerdem hatte er sich gewiß bereits auchdie bisher bekannten, aus dem Griechischen übersetzten Bücher desAristoteles in Abschriften erworben ^). Aus diesem Materiale also dasphilosophische System des Aristoteles zusammen zn stellen, war nundie Aufgabe, die ihm vorlag. Er mußte vor Allem den Text Herstellen,indem er aus den ihm vorliegenden Handschriften die Leseart wählte,welche ihm die beste dünkte ^). Damit aber nicht zufrieden, war erbemüht, das Dunkle in jenen Büchern anfzuhellen, das Mangelnde mitBenützung späterer Forschungen und eigner Studien zn ergänzen, dasJrrthümliche zn berichtigen und in das Ganze Ordnung und Zusam-menhang zu bringen.

Und so sind die philosophischen Werke des Albertus entstanden.Sie enthalten die aristotelische Philosophie in einer populären, erwei-terten, christianisirten Gestalt^), sie zeigen uns diesen Fürsten der alten

1) Am meisten verdient Erwähnung Michael Scotus, der besonders physischeBücher des Aristoteles aus dem Arabischen übertrug. Vgl. Jourdain S. 134.

2) In seinem Testamente spricht Albert ausdrücklich von seinen Büchern. Auchsein Zeitgenosse Noger Baco sammelte solche Handschriften, 2000 französische Lireaufwendend. Niemand aber unter den Scholastikern hat solche Mühe sich kosten lassen,um das Berständniß des Aristoteles zn gewinnen, als Albert, sagt Jourdain.

3) Welche Handschriften Albertus bei jedem einzelnen Werke'benützte, ob griechisch-lateinische oder arabisch-lateinische, hat Jourdain gründlich nachgewiesen a. a. O.Daß er hiebei sich nicht an die Regeln der Kritik halten konnte, sondern meist nuran seinen Philosophischen Takt, begreift sich.

4) Es ist merkwürdig, daß Schilling neuerdings nach einer solchen Paraphrasedes Aristoteles verlangte! Er kennt die des Albertus nicht. Er sagt also in seinenVorlesungen:WaS die Metaphysik des Aristoteles betrifft, genügend allein und alleUebelstände beseitigend, wäre, meines Erachtens, dem berichtigten und nur von dennothwendigsten kritischen und grammatischen Rechtfertigungen begleiteten Text gegen-über eine vollständige, ja ich scheue mich nicht, es zu sagen eine paraphra-stische, zn vollkommener Darlegung des Sinns und Herausarbei-tung des oft verborgenen Zusammenhangs unentbehrliche Ueber-setzung in deutscher Sprache." Sämmtliche Werke. I. Bd. Stuttg. 1856. S. 384.Was hier Schilling für die Gegenwart verlangt-, hat Albertus für seine Zeit bereits