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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Die philos. und theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 59

das die neuern Orden, die zum Schutz der Kirche berufen waren. Undder erste, welcher diesen kühnen Schritt mit vollem Bewußtseyn seinerBedeutung und mit unsäglicher Aufopferung wagte, war unser Albertus.Er hat den Aristoteles und sein Verständnis; im Ganzen zuerst demchristlichen Abcndlande mitgetheilt.

Um aber dieses angedeutete Ziel zu erreichen, war es nothwendig,die Gesammtwissenschaft des Aristoteles im Zusammenhänge zu kennen,alle seine Schriften zu durchforschen, ihren Sinn zu untersuchen, sie zuerklären und zu berichtigen. Früher hatte man im christlichen Abend-laudc nur einzelne Bücher des Aristoteles in lateinischen Uebersetzungengekannt, besonders die logischen nach Boethius, wozu die ethischen,rhetorischen und einige physikalische kamen. In den letzten Jahrhun-derten vor unserm Zeitpunkte war aber in Spanien, wo unter Mau-rischer Herrschaft die Wissenschaften einen lange nicht mehr geschautenAufschwung nahmen, auch der große Stagirite Aristoteles zu außer-ordentlicher Anerkennung gekommen. Angezogen durch den Glanz na-turhistorischer Kenntnisse, die in seinen Schriften in Fülle verborgenliegen, hatten ausgezeichnete arabische Gelehrte, größtentheils Acrzte,seine Schriften im Oriente erworben, nach Spanien gebracht, in'sArabische übersetzt und zum Gegenstand selbstcigencr, eifriger Forschungund des umfassenden Unterrichts Andrer gemacht.

Die Namen eines Avicenna, Avenpace (Ikir Uaäsclläs), Avcrroes(Ibn Uoscllä) und Sercal sind bekannt als die der bedeutendsten Ueber-sctzer und Erklärer der Bücher des Aristoteles'). In ihre Fußstapfentraten dann die jüdischen Gelehrten, welche gleichfalls in Spanien zuhoher Pflege der Wissenschaft sich erhoben. Vom gleichen Wissens-drang erfüllt, eilten nun aber die christlichen Meister und Fürsten ent-weder selbst nach den Sitzen maurischer Cultur, oder sie verschafftensich Handschriften jener in's Arabische übertragenen Bücher des Aristo-teles, ließen sie aus dem Arabischen in's Lateinische übersetzen Z, umsie dem ällgemeinern Verständniß zugänglich zn machen, und wählten

Jrrthümer eingeschwärzt enthielten. So mit Recht Jourdain a. a. O. Dennochmüssen wir in jedem neuen Compendium wieder lesen, die Kirche habe den Aristotelesverboten.

1) Vgl. über ihr Leben und ihre Leistungen besonders v. Hammers Literatur-geschichte der Araber Bd. VI. 188. und Jourdain S- 99 u. ff.

2) Es gab ganze Uebersetzervereine wie bei den Mauren. So gründete einensolchen der Erzbischof Raimund von Toledo. Jourdain S-128,