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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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57
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Kap. IX. Die philos. u. theol. Schriften des sel. Albertus aus jener Zeit. 57

Kapitel ix.

Die philosophischen und theologischen Schriften, die der selige Albertusin jener Zeit versaßt hat.

Die Nachrichten, welche wir soeben über die heiligen Ucbnngenund die homiletische Thätigkeit des Albertus mitgetheilt, möchten unszu dem Schlüsse bringen, der treffliche Mann habe wohl nur in denSüßigkeiten der Betrachtung göttlicher Wahrheiten gelebt, und er habedas, was er also am Quell der Gotteswcisheit getrunken, dann nurauf seiner Lehrkanzel oder am Predigtstuhle den Dürstenden wiedermitgetheilt. Wir könnten uns ihn vielleicht bloß als frommen, ascetischlebenden, seelcneifrigen Lehrer und Prediger denken. Aber wir wür-den uns dann ein ganz mangelhaftes, einseitiges Bild dieses großenMannes entworfen haben. Was wir oben in wenig Zügen mitgetheilt,ist nur das Mittel seiner übrigen großartigen Wirksamkeit gewesen, eswar nur lieblicher Schmuck und himmlische Würze seines Lebens. Erhat das Alles, Betrachtung, Gebet, Volkspredigten, gewiß auch nurals süße Erholung, als innere Erquickung der Seele in Mitte derandern anstrengendsten Arbeiten betrachtet. Seine eigentliche, hoch-wichtige Berufsthätigkeit neben dem Lehramte war sein Wirken alsSchriftsteller, und zwar zunächst als philosophischer Schriftsteller. Undgerade in dieser Eigenschaft hat er sich unsterbliche Verdienste und nieverwelkenden Ruhm erworben. Hierin wurzelt seine eigentliche Größeund Bedeutung für die Kulturgeschichte der Menschheit. Und geradein jenen Jahren seines früheren Lehramts in Köln und Paris war es,wo er die wichtigsten Werke auf diesem Gebiete geschaffen hat. Dar-auf deuten sowohl einzelne Stellen, welche in diesen Schriften Vor-kommen, als auch äußere Zeugnisse*). Darum wollen wir die Reihe

1) Vincenz v. Beauvais citirt schon die Naturgeschichte des Albertus, selbst dieZoologie, welche von Albert selbst als die letzte Disciplin der Physik betrachtet wird;ebenso benützt sie Bartholomäus von England. Vincenz setzte aber auf sein 8xe-eulum rnorats die Jahrzahl 1250 und starb schon i. I. 1264. Also müssen vordieser Zeit die Schriften des Albertus über Physik schon bekannt gewesen seyn. Vgl.Jourdain S. 288. Auch führt Albert in der Isag. in nreleor. cap. 30 an, daß eri. I. 1240 einen Kometen beobachtet. Also kann die Abfassung der Physik nicht vorjene Zeit fasten.