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Kapitel VIII.
Knecht, der das Talent des Herrn, anstatt es zum Gewinne An-derer zu verwenden, in die Erde vergraben hat, getadelt, des Ta-lentes beraubt und in die äußerste Finsternis; hinausgeworfen wird,wo Heulen und Zähneknirschen seyn wird, so fürchtete ich, wenn ichmein geringes, vom Herrn mir gespendetes Talent nicht zum Heileder Seelen verwendete, als ein böser und träger Knecht die göttlicheStrafe ans mich zu laden. Daher habe ich ans anhaltendes Bitteneiniger Freunde diese Predigten bekannt gemacht. — Ich bitte in-ständig, daß die gelehrten Schriftforschcr, welche aus dem reichenSchatze ihres Herzens große und kostbare Gaben darbringen und inden Opferkastcn der Kirche legen, mir Armen nicht zürnen, wenn ichmit der Wittwe zwei Pfennige hineinlcge, da es Gott gefällig ist,wenn Jeder nach seinem Vermögen in seinem Hause opfert. Einigeopfern Gold, Silber und Edelsteine, Andre feine Leinwand, Purpurund Hyacinth. Von mir ist es genug, wenn ich Widdcrfclle und Zie-genhaare zum Opfer bringe'). Die nach gereinigtem Korn hungern,mögen aus den Schriften der großen Gelehrten schöpfen und die Spreudieses Werkes im Frieden den Einfältigen und Uustudierten überlassen."
So lautet die Vorrede, welche ein so rührendes Zeugniß von derDemnth und Bescheidenheit nuscrs Riesen der Gelehrsamkeit ablegt.
Was den Inhalt dieser Predigten betrifft, so enthalten sie, wieoben bemerkt worden, in der Regel eine kurze Darlegung des evan-gelischen Textes, dann eine allegorische Deutung mit reicher Schrift-anwcndung und mit Hinblick auf die Väter, und zum Schluß ein Gebet,das den Grundgedanken der Predigt wiederholt. Zur Veranschaulichungwählen wir die Homilie des Albertus auf den ersten Sonntag des Ad-ventes. Sic hat zum Gegenstand der Betrachtung die Schriftstclle:Siehe, Tochter Sion, dein König kommt sanftmüthig zu dir und sitzetauf einem Füllen, dem Jungen eines Lastthieres (Matth. 21, 5). Dar-aus werden nun folgende Punkte zur Besprechung hcrvorgehoben: Werist der kommende König? Wer ist die Tochter Sion? Wie kommtder König? Warum kommt er? Diese Fragen werden nun beant-wortet. Der König ist Christus, dem der Vater das Reich über-geben hat. Bei der nun angeführten Prophetie Daniels, daß derMenscheusohu auf den Wolken des Himmels kommen werde, gibt Al-bert die Erklärung: „Unter den Wolken des Himmels wird die Liebeund Wahrheit verstanden; diese träufeln uns nämlich den Thau dergöttlichen Barmherzigkeit herab. In diesen Wolken kam der Menschen-
1) Das Bild ist einer Vorrede des hl. Hieronymus entnommen.