Albertus
Der mitgetheilte Bericht läßt uns aber auch einen Einblick thunin das wissenschaftliche Leben und Streben in jenem Hause zu St. Jakobin Paris und zugleich in die Einrichtung der Universität in jenen Tagen.Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß die Lehrer der Hochschule zu Parisetwa in einem großen Gebäude insgesammt ihre Wissenschaft vorge-tragen. Ein Universitätsgebände in diesem Sinne existirte damals sowenig in Paris wie heut zu Tage. Unter der Universität verstandman damals nicht die Vereinigung der Lehrer in einem Hause, son-dern die Gesammtheit der Lehrenden überhaupt, die eine geschlosseneKörperschaft bildeten. EL war den mit der Ertaubniß zu dvciren aus-gerüsteten Männern freigestellt, den Ort zu ihren Vorlesungen nachBelieben zu wählen. Sie lasen daher auch in verschiedenen Theilender Stadt. Die Artisten lehrten in der Strohstraße, während dieLogiker und Theologen in den Klöstern und Kollegien, deren Zahlbald auf achtzehn stieg, ihre Vorlesungen hielten'). Eine solche Stätte,wo Theologie docirt wurde, war nun auch das Kloster der Prediger-brüder. Und zwar hatte der Orden das Recht, zwei Lehrstühle derTheologie zu besetzen. An diesen wirkten also in jenem Jahre 1248jene drei Männer, Johannes Pnngensasinnm ^), der schon seine dreiJahre des vorbereitenden Lehramtes vollendet hatte, und unter ihmunser Albert, der auch das dritte Jahr bereits als Magister die Sen-tenzen erklärte, und Stephan von Antin^), der im zweiten Jahre seinesLehramtes stand. Es war nämlich Gesetz, daß Keiner selbstständigerLehrer der Theologie an der Hochschule werden könne, der nicht dreiJahre hindurch theils unter einem Magister, theils allein und dannmit einem Baccalaureus seine Lehrgabe gezeigt und verschiedene aka-demische Akte durchgemacht Haltes.
Und da der Predigerorden die so rühmcnswerthe Uebung hatte,die Vortheile der höchsten Bildungsstätte der Welt, der UniversitätParis, immer den französischen und fremden Mitgliedern des Ordensgleichmäßig zugänglich zu machen und darum immer einen Franzosenund einen Ausländer zugleich dvciren zu lassen, so finden wir hierunfern Albertus als Repräsentanten der Ausländer im Orden wirkend.
im Jahre 1246 sei er Magister geworden, 1247 habe er sein drittes Jahr vollendet,nm dann als Doktor der Theologie vom Kanzler gekrönt zn werden.
1) Vgl. Daniel a. a. O. S. 124.
2) Aus der berühmten Familie Pointlan. Vgl. Lebarä I, x. 1l9.
3) Vgl. Leliarä I, x. 120.
4) Vgl. Ilobarei I, p. 167.