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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
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sende Verwirrung. Da ergriff Thomas das Wort, löste mit Leichtigkeitden Knoten, stellte die Frage in ihrer wahren Gestalt her und gabdann ihre Erklärung. Da fielen dem Mitbrndcr allerdings die Schup-pen von den Angen, er bat den Thomas, von nun an bei ihm dieStelle zu übernehmen, welche er sich bisher ihm gegenüber angcmaßt.Nur nach langem Sträuben verstand sich Thomas dazu und nur unterder Bedingung des strengsten Stillschweigens.

Bald darauf legte Albert seinen Schülern bei der Erklärung desBuches von den göttlichen Namen, das dem Dionysius beigelegt wird,eine schwierige Frage vor. Ans die Bitten seines Gefährten, überdiese Sache seine Ansicht ihm schriftlich mitzutheilen, ging Thomasdaran und erörterte die Frage mit großem Scharfsinn und der Meister-schaft eines vollendeten Dialektikers. Diese Schrift gelangte, man weißnicht wie, in die Hände des Albertus. Dieser, entzückt über die höchstgelungene Arbeit, verlangt den Namen des Verfassers zu wissen. Dieserwird ihm vom Gefährten mit hoher Freude genannt, und er erfährt zu-gleich, wie schonungsvoll und zart sich Thomas trotz seiner Ucberlegen-heit gegen den Mitschüler gezeigt hatte.

Bereits lange hatte Albert, der große Menschenkenner, die herr-lichen Gaben seines edlen Zöglings erkannt, er hatte sich durch desseneinsylbigcs, zurückgezogenes Wesen nicht täuschen lassen. Durch diesenVorgang fand er zu seiner großen Freude seine Ansicht über Thomasvollkommen bestätigt. Er wollte ihn aber nun auch einer öffentlichenProbe unterwerfen und so dieses glänzende Licht auch in den Augenseiner Mitschüler einmal leuchten lassen. Er befahl daher dem Thomas,sich bereit zu halten, um am folgenden Tag in feierlicher Versammlungzu dispntiren. Thomas gehorchte; die Disputation fand Statt undalle Erwartungen des Lehrers wurden weit übertroffen. Man wußtenicht, was man an dem zwanzigjährigen Jüngling mehr bewundernsollte, die Leichtigkeit und Klarheit, mit der er die schwierigsten, dun-kelsten Sätze entwickelte, die große Gelehrsamkeit und Belesenheit, wo-mit er seine Beweise begründete, oder die Anmuth seines Vortrags,wodurch er alle Hörer entzückte. Albert hatte dem jungen Sicilianeraber noch eine schwerere Probe aufbewahrt. Mit scheinbarem Tadelrief er ihm zu:Bruder Thomas, Ihr scheint weniger den Schüler,der antwortet, zu machen, als den Meister, der entscheidet."Mei-ster," cntgcgnete Thomas in aller Bescheidenheit,ich weiß die Schwie-rigkeiten nicht anders zu lösen, als ich thueZ."Nun gut," sagte

1) Wir sehen hier, Thomas war auf einer der Bänke und mußte mit dem von