Der sel. Albertus abermals Lehrer in Köln. Ankunft d. hl. Thomas v. Aq. 41
Albert, „fahrt in Eurer Weise fort, aber es bleibt mir noch Vieles zuentgegnen übrig." Neue Einwürfe wurden gemacht, immer schwierigerund verwickelter; sie dienten nur dazu, den durchdringenden Verstanddes Antwortenden in desto glänzenderes Licht zu setzen. Da brachendlich Albert, seine Bewunderung nicht ferner meisternd, in die pro-phetischen Worte ans: „Ihr nennt diesen einen stummen Ochsen; aberin Wahrheit, ich sage euch, er wird in der Wissenschaft noch solchesGebrüll erheben, daß er in der ganzen Welt wird gehört werden')."
Von da an war Albert völlig überzeugt von der eminenten Be-gabung und vom besondern Beruf seines Schülers znr Wissenschaft, under fand sich doppelt angespornt, die ihm anvcrtrante kostbare Pflanzemit heiligem Eifer zu pflegen und zu hegen. Daher behielt er ihnin seiner unmittelbaren NäheZ, theilte ihm neidlos die Resultateseiner mühevollsten Forschungen mit, nahm ihn ans seinen ihm befoh-lenen Umzügen mit und übertrug in kurzer Zeit dem jungen Thomas,als dem bereits vollkommen Befähigten,' die Akte des Lehramtes anseiner Stalls.
Wir sehen, Albert hat bald den jungen Sicilianer zum Ehren-posten seines Assistenten im Lehramte erhoben, wie wir oben diesesVerhältniß geschildert haben; er war sein Liebling, der Jubel seinesHerzens, er sah ein mächtiges Werkzeug zu Gottes Verherrlichung hiersich bereiten. Und so wuchs unter des Albertus Pflege der englischeLehrer Thomas rasch heran znr Freude des Ordens, znr Ehre derKirche. Albert legte in diesem edlen Jünglinge ein so unerschütter-liches Fundament der Wissenschaft, sagt ein Biograph, daß Alle, welchespäter auf diesen Grund (der Wissenschaft des hl. Thomas) gebauthaben, uncrschüttert und fest geblieben sind bis zum heutigen Tag. Undein Andrer drückt sich so aus: „Wie die Sonne ihr Licht dem Mondemittheilt, so übertrug Albert seine Wissenschaft auf Thomas. Thomas
Albert aufgestellten Opponenten am Unterstuhl dispntiren. Er gab nun so bestimmte,zweifellose Entscheidungen, daß Albert sagte: Das Entscheiden gehört dem Magisterzu, du sprichst schon wie ein Magister. Der Magister (hier Albert) hatte nämlichbei Disputationen die Entscheidung zu geben. Und nun scheint Albert selbst die Dis-putation fortgeführt zu haben.
1) Nach Wilhelm von Thoko. Bgl. Leben des hl. Thomas. Hörtel S. 63.
2) Noch im Anfänge unsers Jahrhunderts wurden die beiden Zellen im Klosterzu Köln gezeigt, wo diese Heroen der Wissenschaft gewohnt. Bianco, Geschichteder Universität Köln.
3) Rudolph.