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Kapitel VI.
den Schmerz der Grasenfamilie durch solchen Gnadeuerweis etwas zulindern, soll ihm Jnnocenz IV. nach einigen Berichterstattern ') balddarauf die Stelle eines Abtes von Monte Cassino eingetragen haben,die zu den glänzendsten Italiens gehörte, und ihn bereits unter dieKirchenfürstcn gereiht hätte. Aber Thomas schlug dieses Anerbietenin tiefer Demnth aus und bat den hl. Vater, die ihm erwieseneGnade dadurch zu vollenden, daß er ihm erlaube, ein Leben derDemnth und Armnth zu führen, wie cs sein Orden verlange. Undauch hierin konnte der Papst seinen Bitten nicht widerstehen. So warThomas befreit von den Beunruhigungen seiner Familie und konnteungestört im Ordcnslcbcn die Bahn der höhcrn Vollkommenheit undder Betrachtung betreten.
Jetzt mußte den Obern vor Allem daranlicgcn, dem jungen Mannealle Mittel zur Entwicklung seiner reichen Talente zu verschaffen. Jo-hann der Deutsche, der vierte Großmeister des Ordens, der auf Rai-mund gefolgt war, hatte bald erkannt, daß dieses nene Glied demOrden znm höchsten Ruhme, der Kirche zum Nutzen und der Wissen-schaft zur Zierde gereichen werde. Er suchte darum vor Allem nacheinem Manne des Ordens, dem die fernere Ausbildung des reichbe-gabten Thomas übertragen werden könnte. Und obwohl bereits be-rühmte Lehrer aus dem Orden an den Hochschulen von Neapel, Paris,Salamanka und Bologna wirkten, so hielt er doch den Albertus zuKöln für den Würdigsten und Fähigsten, um diesen kostbaren Edel-stein zu schleifen Z. Und er entschloß sich, selbst diesen Schüler seinemLehrer znznführen.
Im Jahre 1245 sollte in Köln ein Kapitel des Ordens stattstndcn.So war dem Meister Johannes Gelegenheit geboten, selbst den jungenThomas zu Albert zu geleiten. Im Oktober des Jahres 1244 machtensich Beide, nach apostolischer Sitte zn Fuß, nur mit Gebetbuch undOrdenskleid ausgerüstet, auf den Weg und langten nach kurzem Auf-enthalt in der französischen Hauptstadt im Anfänge des folgenden Jahresin Köln an. Welch ein Anblick muß es gewesen seyn, sagt Ennen ganzschön, als die beiden dcmüthigen Söhne des hl. Dominikus, von denender eine als Ordensgeneral ein kleiner König war und über ungefähr
1) Wird von den neuesten Kritikern als unrichtig dargestellt.
2) Vgl. Ennen a. a. O. S. 20. So sehr war Alberts Ruhm bereits weithinerklungen.