Der sel. Albertus abermals Lehrer in Köln. Ankunft d. hl. Thomas v. Nq. 37
Thomas stammte bekanntlich aus dem hochadclichen Gcschlcchte derGrafen von Aquino in Kalabrien und war im Jahre 1226 geboren*).Frühe war er den Bencdiktinermönchcn am berühmten Monte Eassinozur Erziehung übergeben worden und hatte dann die neugcgründcteUniversität Neapel bezogen, wo er den Unterricht des Peter Martinasin der Logik und des Peter von Hibcrnien in den Naturwissenschaftengenoß. Aber der Anblick des wilden, wüsten Treibens der ihn um-gebenden Jugend, die die ihr reichlich gestatteten Freiheiten zu Aus-brüchen der tiefsten Rohheit mißbrauchte, die Beobachtung des allge-meinen korrupten Lebens, die Erwägung der höchst verwirrten, trau-rigen politischen Verhältnisse, die eine Folge des langen Kampfeszwischen dem schwäbischen Kaiserhause und der Kirche waren, allesdas mußte auch den jungen Adeligen, wie früher den Albertus mitAbscheu und Eckel vor dem Leben und Streben in der Welt erfüllenund ihn drängen, eine Zufluchtsstätte in der Abgeschiedenheit des Klo-sters zu suchen, um da der Betrachtung der Wahrheit sich weihen unddie Reinheit seiner Seele bewahren zu können. Und so nahm aucher das Kleid des heiligen Dominikus, dessen Orden eben im Glanzeder ersten Liebe glühte, dessen Thaten zu Gottes Ehren bereits überallgepriesen wurden. Aber einen harten Kampf gegen seine über diesenSchritt erbitterte Familie hatte er zu bestehen, ehe er unangefochtendieses Kleid tragen durfte. Doch kein Mittel vermochte den sechzehn-jährigen Jüngling von dem einmal erkannten und gewählten Berufäbznbringcn. Weder die Thränen der Mutter, noch die süßen Schmeichel-rcden der Schwestern, noch lange Gefangenschaft, rohe Mißhandlungund Entbehrung, noch die abscheulichen Verführungsversuche der Brü-der hatten seinen Vorsatz im Geringsten zu erschüttern vermocht. Endlichwar die Streitsache selbst vor den päpstlichen Stuhl gebracht worden.Da führte Thomas vor Jnnocenz IV. selbst seine Sache mit heiligemEifer, ohne Bitterkeit, ohne Stolz und ohne Schwäche. Er zeigte mitheiligem Feuer den Widerwillen, den ihm die vergänglichen Güter derWelt eingeflößt und die unbesiegbare Neigung, die ihn znm Ordens-stand hinzog. Seine beredte Vertheidigung ließ keinen Zweifel beiseinen Richtern übrig, daß Thomas von Gott selbst berufen und inallen seinen bisherigen Schritten von ihm geleitet worden. Er gingals Sieger aus dem Kampfe hervor. Thcils ob des wunderbaren Ein-druckes, den der neunzehnjährige Jüngling auf ihn gemacht, theils um
11 Vgl. über ihn Harry Hörtel: Thomas von Aquino und seine Zeit. Augs-burg 1846- Und besonders rvct. 8anet. Martins.