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Kapitel V.
gesehen zu haben. Gott hatte in dieses Gesäß der Anserwählnngalle Zier seiner Gnaden gelegt. Er war schnell im Gehorsam, starkin der Geduld, friedfertig in Sanftmnth, durch Heiterkeit angenehm,in Liebe ausgcgossen, und cs fehlte ihm nicht Anstand der Sitten,Aufrichtigkeit des Herzens und im Fleische jungfräuliche Reinheit, dennin seinem ganzen Leben hat er kein Weib nnsittsam angcblickt nochberührt. Er war im Reden bescheiden, gewandt im Worte, scharfsinnig,schön von Antlitz, anmuthig von Gestalt, geschickt im Schreiben, er-fahren im Diktiren, seine Stimme war melodisch wie die eines Engels.Nie sah man ihn traurig, noch verwirrt, immer gleichmüthig, immerheiter. Von Strenge war nichts zn sehen, ganz hatte ihn die Barm-herzigkeit in Besitz genommen. Mit solcher Leichtigkeit gewann erdie Herzen, so befreundet zeigte er sich Allen, daß Du nach kurzerUnterredung glaubtest, er liebe dick vor Allen. Und man mußte ihnlieben, den Gott mit seiner Gnade überschüttet hatte. Und obwohler vor Allen ausgezeichnet, vor Allen gut in jeder Gnadengabe war,erhob er sich doch nicht, denn er hatte von Christus gelernt, sanftenund demüthigen Herzens zu seyn ')."
So wird uns also der erste Dominikaner geschildert, der in Kölneingczogen. Was Wunder, wenn alles Volk ihnen nachlief, wie ein-stens dem Heilande!
Als dann Bruder Heinrich zum Himmel hcimgcgangen und seinGefährte Leo das Priorat in Köln verwaltete, da war cs, wo dasneuaufgegangene Gestirn des Ordens, Bruder Albertus, nach Kölnberufen wurde, um hier, in der Metropole des deutschen Reichs, GottesEhre, der Seelen Heil und des Ordens Ausgabe mächtig zn fördern,besonders durch Gründung einer höher» Schule, wo die Wissenschaftder christlichen Wahrheit' Zcngniß gäbe und Freunde gewänne. Hierwar cs also, wo Albertus, der durch Gottes Gnade gleich einemfruchtbaren Oelbaum an Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hcrangewachsenwar, zuerst anfing, als Lehrer auch Andern mitzntheilen, was er ausden Quellen des Heilands geschöpft hatte ^). Jetzt bestieg Albertusden Lehrstuhl, den er nun an fünfzig Jahre mit wenigen Unter-brechungen so ruhmvoll inne hatte.
Was er damals in Köln auf dem Katheder jener Klosterschnle,
11 li>ueti1 und bleliard, 8eript. Dom. I. 94.
2) Es war ungefähr um die Jahre 1228—1233, denn i. I. 1234 redet Jor-dan von Heinrich, als von einem, der gestorben. S. oben.
3) Rudolph, eax. IV.