Der selige Albertus als Lehrer und Prediger in deutschen Städten. 27
die Ehr- und Habsucht, der der größte Theil des Klerus anheim-gefallen, alles das ließ die Nvthwendigkeit einer Besserung und Er-neuerung nicht verkennen. Und als solche von Gott gesendete Mittelder Wiedergeburt betrachtete mau mit Recht die Bcttelorden, die vonall jenen Lastern das Gegentheil schon in ihrer äußern Erscheinungpredigten. Daher rüstete sie der Papst aus mit der apostolischen, sonstden Bischöfen allein zustehenden Vollmacht, überall zu predigen unddie Beichten der Gläubigen zu hören. Und die guten Bischöfe allerOrte, welche mit tiefem Leidwesen das überall anschwellende Verderbenschauten, riefen diese Boten des Himmels mit großem Verlangen inihre Sprengel. Sv waren die Brüder des Predigerordens i. I. 1221von Paris auch nach dem heiligen, mit zahllosen Kirchen und Stiftenprangenden Köln herübergekommen. Unter der Führung des BrudersHeinrich, der mit dem berühmten Jordanus zugleich in Paris, wo sieschon das Baccalaureat empfangen, in den Orden cingetreten und derLiebling des Volkes geworden war, ließen sie sich nieder in der Stvlk-strasse (vious Ltolooruru), unfern der Kathedrale, und erhielten dortein Hospitium und die Kapelle, die der heiligen Maria Magdalenageweiht war'). Bald gewannen sie, ganz nach den Satzungen derRegel und in heiliger Armuth lebend, das allseitige Vertrauen desVolkes, das sich um sie in Schaaren sammelte. Manche Welt-Geist-liche beklagten sich darüber beim edlen Erzbischöfe Engelbert, daß dieOrdensmänncr das fremde Aerntefeld beträten und durch ihren Feuer-eifer die Herzen der Gläubigen sich gewännen, und den andern Seel-sorgern entzögen. Aber der Oberhirte ließ sich nicht beirren, sondernantwortete: „Sv lange wir nur Gutes sehen, laßt sie gewähren!"Wir fürchten, erwiederten die Gegner, daß diese Mönche cs seien,von denen die heilige Hildegard ans Eingebung des heiligen Geistesprophezeite, sie würden die Geistlichen in Gefahr, die Stadt aber inBedrängniß bringen. „Wohlan dann," sagte Engelbert, „wenn daseine göttliche Prophezeiung ist, so muß sie auch erfüllt werden ^)."
Sv wirkten also die Predigermönche fort und gewannen zahlloseSeelen für Christus ^). Besonders gilt dieß Pom Prior des Klösterchens,Heinrich, den uns sein Oberer und Freund Jordanus in den glän-zendsten Farben darstellt. Er sagt: „Wir erinnern uns nicht, vorihm in Paris einen so jungen, so beredten und so anmuthigen Prediger
t) Rudolph, e. III.
2) Eunen a. a. O. Ausführlicher Cantipratanus bei Prussia, S. 249.
3) Rudolph.