Der selige Albertus als junger Ordensmann. 25
Sowohl das Studium der heiligen Schrift, als das der Sentenzenforderte aber auch ans, die Schriften jener erleuchteten Männer auf-zusnchen, die die Kirche als ihre Väter und Lehrer, als die Zeugenund berufenen Deuter der Offenbarung verehrt. Denn die Väter derKirche geben ja die ehrwürdigste und sinnvollste Exegese der Schrift,ihre Werke bilden die Waffeukammer für den Dogmatiker und Mora-listen. Mit welchem Eifer Albertus auch aus diesem frischen, lebendigenSpringgncll der höheren Weisheit geschöpft, sehen wir wieder in seinenWerken. Er citirt ohne Unterlaß die Schriften dieser Männer, be-sonders der lateinischen Väter, so den hl. Angustin ff, Ambrosius ff,Hieronymus ff, Gregorius den Großen, Hilarius, Bernard ff undIsidor von Sevilla. Von den griechischen Schriftstellern scheinen ihmbesonders Pseudvdivnysius ff, ChrUsostomns und Johannes Damascenuszugänglich gewesen zu seyn.
Das Studium der Dogmen brachte natürlich auch mit sich, daßdie Jrrthümcr, die in der Geschichte gegen die katholische Wahrheitaufgetaucht, erkannt nud gewürdigt werden mußten. Auch dieser Zweigder Kirchcngcschicbte blieb dem Albertus nicht verborgen. Er kommthäufig zu sprechen auf die Häresien des Anus, Sabellius, Berengar,des Gilbert Porretanus, und David von Dinanto. Uebcrall kämpfter gegen sie mit Sachkenntniß und offenbarer Ueberlcgenhcit des Geistes.
Das waren also ungefähr die Gegenstände, mit welchen sich desAlbertus reger Geist damals in der Einsamkeit der Zelle und imbunten Gedränge der Hörsäle beschäftigte. Uebrigens finden wir vondiesen Studien, ihrer Dauer, ja selbst von seinem Eintritt in denPriesterstand, der gleichfalls in jenen Jahren geschehen seyn muß,keinen näheren Ausschluß. Doch dürfen wir aus der Gewohnheit dermittelalterlichen Lchrweise wohl annchmen, unser Albertus habe we-nigstens vier bis sechs Jahre im Hciligthum der theologischen Studienverweilt. Alles, was uns Rudolph noch über diese Zeit des Albertusberichtet, ist Folgendes:
„Er war ein wahrer Liebhaber der Weisheit selbst in seiner äußernErscheinung, und strebte nicht nach zeitlichem Ruhme, sondern nurnach Weisheit, und die Blumen aller Tugenden war er bemüht, im
1) Z. B. De ap^roii. p. 61, serm. äs Nattimso axost. u. s. f.
2) Do saerik. inisses, p. 9.
3) 8erm. äe Nielmsl. sroimnz.
4) 8ermo äe best. Neuritis.
5) Sieh seine Commentare zu dessen Schriften und an vielen andern Orten.