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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel IV.

Welche Veränderung! Aber Albertus hatte ja freiwillig, ausGottesliebc auf alle irdischen Güter, Genüsse und Hoffnungen ver-zichtet, die ihm die Welt bieten konnte, und fand jetzt reichlichen Ersatzin den Genüssen des Geistes, die ihm in der Stille des armen Klo-sters, im engeren Verkehre mit Gott und im ungestörten Betriebe derheiligen Wissenschaften in Fülle zuströmten. Albert konnte übrigensnicht ferner mehr in Padua bleiben, da dort die theologischen Studiennoch nicht blühten und auch wohl die Nähe feiner Verwandten nichtwünschenswert!) war. Er wurde also nach Bologna gesendet, umdort seine Studien zu vollenden und besonders um die Gotteswissen-schaft sich anzneignen ^). Und hier im Kloster des heiligen Nikolaus,der zweiten Wiege des Ordens, wo auch der Leib des heiligen Pa-triarchen Dominikus seit einigen Jahren ruhte, wo er auch im Lebenam Liebsten geweilt, da sammelte sein neuer Schüler die Kräfte, umauch bald einen großartigen Wnnderban ansznführen, den einer christ-lichen Universalwissenschaft. Da genoß er den Unterricht der berühm-testen Lehrer der Hochschule, die als das zweite Centrnm der wissen-schaftlichen Welt jener Zeit betrachtet wurde.

Wenn wir die Geschichtschreiber fragen über des Albertus Bestre-bungen und Fortschritte in jenen Jahren, so lesen wir bei Rudolphnur die Worte:So nun in den Garten Gottes verpflanzt, war derjunge Krieger voll heiliger Glut bemüht, die Reinheit der Seele zubewahren, sich ganz den Studien zu weihen und von Tugend zuTugend zu schreiten." Damit ist also wieder nur gesagt, daß er anWeisheit und Gnade zugenommen wie sein erhabenes Vorbild.

Spätere Biographen U berichten wieder von großen Schwierig-keiten, die ihm bei den Studien damals entgegengetretcn, von einerArt Stumpfstnnigkeit, die noch seinen Geist befangen gehabt, so daßer hinter allen Gefährten im Studium zurückgeblieben. Sie erzählen,daß ihn darob endlich Verzweiflung erfaßt und daß er bereits denPlan entworfen, ans dem Kloster zu entfliehen. Durch ein Tranm-gesicht sei er aber dann getröstet und von der Gottesmutter mit glän-

1) Nach Rudolph wäre er in Padua geblieben, andre (auch Quetif) neunenParis als den Ort seiner ferneren Studien. Aber vom letzten: wissen die Altennichts, das erstere ist aus obigen Gründen unwahrscheinlich. Bologna erhielt auchspäter einen Arm des Albertus als Reliquie vom Papste znm Andenken, daß dergroße Mann hier geweilt.

2) Leander, Jammy u. d. f. Vielleicht ist obige Sage nur hieher transferirt.