Des Albertus Kämpfe in d. Berufswahl, sein Eintritt in d. Predigerorden. 21
bat inständig um die Aufnahme in den Orden. Doch war auch dieZeit abgclaufen, die er seinem, dem Oheim gegebenen Versprechengemäß, noch warten wollte ').
Jordan, dessen Blick durch den langen Umgang mit der Jugend wohlgeschärft war, erkannte sogleich, was aus diesem jungen Manne baldwerden würde. Er nahm ihn mit Freuden auf und gab ihm dasOrdenskleid ?). Sv war durch das zweischneidige Schwert des Gottes-wortes der lange Kampf im Innern des Albertus glücklich beendigtworden.
Es geschah dieses aber im Jahre 1223.
Kapitel IV.
Der selige Albertus als junger Ordensmann. Seine Fortschritte inden Wissenschaften und in der Tugend.
So hatte also der junge Edelmann endlich das nächste Ziel seinersehnsüchtigen Wünsche erreicht. Aus dem reichen Studierenden, derschon durch seine Wissenschaft glänzte^), der in vornehmer Tracht somanche Jahre durch die Strassen Paduas gegangen, der in einemPalastc von Marmor in Fülle gelebt, war jetzt ein armer Mönchgeworden, der in einen groben, weißwollenen Rock eingehüllt, miteinem gleichen Scapulicr behängen, mit geschorenem Haupte einher-wandelte, der in Bezug auf die Bedürfnisse des Lebens auf dasNothwendigste beschränkt war, mit ganz ärmlicher Wohnung und hartemLager sich begnügen mußte und durch den Gehorsam des Ordens anden fremden Willen gebunden war!
1) Sehr wahrscheinlich war es das dreißigste Lebensjahr, das er abwarten sollte.Alle jene oben genannten Männer waren gleichfalls beim Eintritt in den Ordenschon im Mannesalter.
2) Rudolph.
3) Das sagte Albertus selbst in seiner freilich zweifelhaften Abschiedsrede: „Ichzeichnete mich schon in den Wissenschaften aus, als ich auf eine Mahnung der heiligenJungfrau und aus Antrieb des hl. Geistes in den Orden trat." Auch aus demKontext der Stellen über die Figurationen an Steinen, die wir noch später anführen,erhellt dieß. Denn bei dem Phänomen zu Venedig erzählt er einfach, daß er dabeigewesen. Bei der eigenthümlichen Schale, die er zu Paris gesehen, sagt er: „VieleJahre später, als ich zu Paris unter den Doktoren und äs xrsge 8t. vominieiwar, sah ich Folgendes." Also war er beim ersten Vorfall noch nicht im Orden.
4) Vgl. Ennen, Albert der Große, ein Lebensbild. Köln. 1856. S. 16.