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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Des Albertus Kämpfe in d. Berufswahl, sein Eintritt in d. Predigerorden. 17

schäften geweilt, nun aber hatte er bereits ein Alter erreicht, wo ereinmal ernstlich an seine künftige Stellung in der Welt denken, sichfür ein bestimmtes Fach entscheiden mußte. Es lag die Wahl vor ihm,durch das Studium der Rechtswissenschaft sich die Bahn zu hohenStaatsämtern zu eröffnen, oder in den Dienst der gleichfalls dieherrlichsten Aussichten bietenden Kirche zu treten. Ja ans dem lctzternGebiete stand noch eine Laufbahn offen, indem das Ordenslebcn mitseinen gehcimnißvollen Reizen und Seligkeiten, die er bereits be-obachtet hatte, seine Seele zum Eintritt mit mächtiger Stimme einlnd.

Nnn begann daher eine Zeit harter Kämpfe, es waren die Wehen,die dem Offenbarwerdcn eines neuen Lebens voranszugehen pflegen.Ohne Unterlaß erwog Albert selbst, wohin Gott und Neigung ihn rufe,ohne zu einem festen Entschluß kommen zu können. Und auf eigeneEinsicht wenig bauend, wandte er sich mit heißem Flehen zu Gott,ihn über seinen wahren Beruf zu erleuchten. Er war eines Tageswieder in der neuen Kirche der Dominikaner, vor einem Bilde derGottesmutter kniccnd. Da schien ihm die heilige Jungfrau zuzurusen:Albert, fliehe die Welt und trete in den Orden der Prediger, denich von meinem Sohne zum Heile der Welt erfleht habe. Dort strebenach den Vorschriften der Regel eifrig nach Wissenschaft, und Gottwird dich mit einer solchen Fülle von Weisheit bereichern, daß dieganze Kirche durch die Bücher deiner Gelehrsamkeit wird erleuchtetwerden I." Mag nun auch der Inhalt dieser höheren Mittheilungdurch die Biographen ein weiteres, prunkvolleres Gewand erhaltenhaben, die Möglichkeit einer solchen Offenbarung und das öftereEintreten derselben im Leben der Heiligen wird Niemand läugnenkönnen Z, der noch ans dem Boden des Glaubens und der Aner-kennung der geschichtlichen Thatsachen steht. Jedenfalls war jeneStunde des Gebets diejenige, welche über den Lebensweg Albert'sdie Entscheidung brachte. Von diesem Augenblicke an war er ent-schlossen, die Welt voll Gefahren des Schiffbruchs zu verlassen, uirdin den sichern Port des Ordenslebens zu fliehen ^). Der Anblick dergewaltigen Stürme, die auf dem politischen Gebiete tobten, die wil-den Parteikämpfe in allen Städten Italiens, der langwährende furcht-

1) Rudolph.

2) Man denke nur an ähnliche Offenbarungen im Leben des Großmeisters derDominikaner, des hl. Dominikus. Siehe Leben des hl. Dominikus von Lacordaire.S. 199.

3) Rudolph.

Sighart, Albert d. Große.

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