Von seinen ausgezeichneten Fortschritten und dem Ansehen, daser überall gewonnen, zeigt auch der Umstand, daß ihn Lehrer undSchüler zuletzt voll Bewunderung den Weisen ') oder den Philosophen-mcister nannten.
Doch damit wäre das Bild unscrs akademischen Jünglings in jenerZeit nicht vollendet. Es sehlt noch ein wesentlicher Zug, von demdie Biographen berichten.
In Mitte dieser angestrengten wissenschaftlichen Thätigkeit vergaßder junge Adelige doch die religiöse Pflege seiner Seele nicht. InMitte des lärmenden, oft übersprndelnden, üppigen Lebens der studie-renden Jugend gedachte er doch auch getreulich seiner ewigen Bestimmung.Er besuchte daher häufig das Haus des Herrn und liebte den Umgangmit weisen Geistcsmännern^), besonders mit denen vom Predigerorden,die seit 1217 in Padua eingezogen waren, und denen er wohl auchseine Seelenführung anvertraute.
Damit deuten uns die Chronisten an, durch welche Mittel AlbertusSeele bewahrt worden einerseits vor den Folgen einer ausschließlichenVerstandesbildung, andrerseits vor dem Feuer der Verführung, dasbesonders in den Städten Italiens der akademischen Jugend Verderbendrohte 4 ). Durch Gebet und geistliche Hebungen zog er beständig denThau der Gnade vom Himmel hernieder ans seine Seele und prangteso herrlich in Mitte der sittlichen Verkommenheit der Umgebung wieder Mclokaktns in der dürren Sandwüste des Orientes; in Mitte desbrennenden Dornbusches der leichtsinnigen, ausgelassenen, ihre hoheFreiheit nur zu häufig mißbrauchenden Studentenwelt blieb er unver-sehrt durch die göttliche Gnade.
Kapitel m.
Des Albertus Kümpfe in der Berufswahl; fein Eintritt in denPredigerorden.
Endlich war die Zeit der Entscheidung heran ge kommen. Langegenug hatte Albert in den lieblichen Gezeiten der allgemeinen Wissen-
1) So nach Prussta und Rudolph, nach Jammy hieß er xliilosoylius a maZistris.
2) So Rudolph, Prussia, Jammy u. A.
3) Vgl. Kirchenlexikon, Artikel Padua.
4) Man denke an Scenen im Leben des hl. Thomas von Aguin.