Das Leben des seligen Albertus an der hohen Schule zu Padua. 15
Ich glaube daher annehmen zu dürfen, daß Albertus wohl anzehn Jahre mit philosophischen Studien in Padua zubrachte, wasübrigens gar nichts Ungewöhnliches im Mittelalter war. Er würdealso etwa bis zum Jahre 1223 als Artist und Philosoph in Paduagelebt haben, also bis in sein dreißigstes Lebensjahr. Wir könnenuns unschwer ein Bild unsers Albertus in jenen Jahren entwerfen.Mit einem Wammse von Sammt angethan, einem Degen an der Seite,auf dem Kopfe das Barett mit wallender Feder tragend, ging der jungeAdelige ans dem deutschen Schwabenlande hin durch die engen Strassenvon Padua, die sich allmählich mit steinernen Häusern schmückten undzu herrlichen, immer sich mehrenden Kirchen'), Klöstern und Pallästenhinführten. Von Natur scheint er gleichfalls stattlich gewesen zu seynund von kräftigem, gedrungenem Körperbau, der für gewaltige An-strengungen »geschaffen schien. So zog er also täglich vom Pallasteseines Oheims hin zu den Stätten, wo die Meister der Wissenschaftdie Bücher des Aristoteles erklärten. Mit welchem Heißhunger wirder die Worte der Lehrer vernommen haben, sitzend zu ihren Füßen,wie wird er gelauscht haben auf die Lösung der zahllosen Schwierig-keiten, die in jenen Uebersetzungen zumal dem Lesenden sich darbieten,wie wird er selbst Abschriften des Textes jener wcrthvollen Büchersich zu verschaffen gesucht haben! Wie viele Stunden und Nächtewird er selbst darüber zugebracht haben! Wie lernbegierig wird erauch an den feierlichen Akten der Hochschule, an Disputationen zumal,sich betheiligt haben!
An den Festtagen mag er dann mit seinen Landsleuten, den Ultra-montanen, die sich ja bekanntlich an den Hochschulen zusammengethan,auf stattlichen Pferden jene lustigen Ritte nach den nahen Städtenund Dörfern gemacht haben, auf denen wir ihn oben schon getroffenhaben.
1) Schon stand die prachtvolle Kirche der hl. Justin», die Perle der Kirchenvon Padua, eben war auch die neue Kathedrale vollendet (1124), die leider jetztdurch einen Renaissancebau ersetzt ist, es blühten die Kirche St. Daniel, St. Niko-laus am Lido, die Kirche St. Maria Maggiore. Im Jahre 1217 kamen zu vielenandern Klöstern die Dominikaner nach Padua, 1220 die Franziskaner. Vgl. denArtikel Padua im Erganzungsband des Kirchenlexikons. S. 917.
2) Seine Gebeine zeigten das bet der Ausgrabung, und noch sehen wir's ander Cajula, die jetzt ein Priester schwer tragen würde.
3) Bei seinen Vermögensumständen war es ihm wohl möglich, solche Abschriftenauf Pergament zu kaufen oder fertigen zu lassen. Daß er sich eine solche Sammlungvon Uebersetzungen des Aristoteles anlegte, werden wir später zeigen.