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Kapitel II-
Wie lange Albertus auf der hohen Schule zu Padua diese phi-losophischen Studien betrieben, ist von keinem Biographen angeführt.Daß aber der hicfür verwendete Zeitraum keineswegs kurz gewesen,dürfen wir als sicher annehmen. Denn wenn schon der heilige Gründerund Vater des Predigcrordens Dominikus sechs Jahre dem Studiumder Philosophie weihte, die ihm doch wenig genügte, weil sie nichtdie Weisheit Gottes ist ^), so dürfen wir wohl annehmcn, daß Albertus,der von glühendem Durste nach diesen Wissenschaften gequält war, nochviel längere Zeit der Beschäftigung mit diesen Studien widmete. Unddie Kvlossalität seines Wissens aus diesem Gebiete, seine alle Zweigedes realen Wissens umspannende Gelehrsamkeit und Belesenheit läßtsich unmöglich begreifen, wenn wir nicht eine lange, vieljährige, un-gestörte Beschäftigung mit diesen Dingen in jener Zeit annehmen.
Vielleicht steht auch mit dieser langen Studienzeit auf der Hoch-schule obige Sage in Verbindung, daß Albertus Geist gar langsam inErfassung der Wahrheiten gewesen. So erzählt einer der Bericht-erstatter ^): „Die Anfänge der Wissenschaft schienen ihm sehr schwer,der Weg schien für seine zarten Füße zu dornig. Doch durch rastloseMühe siegte er. Wie der Marmor, der schwer sich zu Figuren um-gestalten läßt, aber sie dann um so dauerhafter fcsthält, so war auchder Geist des Albertus." Möglich, daß Albertus wirklich eine lang-samere Fassungskraft bekundete, als die Italiener, wovon übrigensdie Zeitgenossen nichts zu wissen scheinen, möglich aber auch, daß manauf solche Weise seine lange Studienzeit sich zu erklären suchte.
und Katharina) vor sich stehen in wunderbarer Schönheit. Nun fragte ihn die einemit großer Freundlichkeit, warum er verzagen wolle. Er gab seine Stumpfheit desGeistes bei den Studien an. Da tröstete diese den Trauernden und mahnte ihn,ihre Herrin um Gewährung seiner Wünsche anzuflehen. Wunderbar ermuthigt durchdiese Rede, nahte sich Albertus nun der Himmelskönigin. Und da diese ihn um seinBegehren befragte, bat er sie fußfällig um umfassende Keuntniß der Weltweisheit.Darauf antwortete ihm die heilige Jungfrau mild: „Wohlan, du sollst deinesWunsches theilhaftig seyn und bald solche Fortschritte machen, daß du nicht deinesGleichen in der Philosophie haben wirst. Ich werde dich immer beschützen und auchnicht zugeben, daß du, von den Schlingen der Sophisten verstrickt, vom Wege desreinen Glaubens abkommst und zu Grunde gehest. Damit du aber erkennst, daßdu deine Wissenschaft nicht eigner Anstrengung des Geistes, sondern meiner Huldverdankest, so wirst du vor deinem Tode aller dieser Kenntnisse wieder beraubt werden."Eine ähnliche Vision im Leben des hl. Dominikus, wo neben der Gottesmutter Cäciliaund Katharina erscheinen, siehe Lacordaire a. a. O. S. 200.
1) Vgl. Leben des hl. Dominikus, von Lacordaire, Landshut 1841. S. 26.
2) Jammy a. a. O.