Das Leben des seligen Albertus an der hohen Schule zu Padua. 13
Erscheinungen, die sich ihm darboten, und suchte sie sich zu erklären.So erzählt er selbst in der Naturgeschichte, als junger Mann sjuvenissei er in Italien gewesen und einmal nach Venedig gekommen. Dorthätte man eben große Marmvrpslvcke zum Bau einer Kirche bearbeitet.Da wäre ihnen ausgesallen, wie in dem Marmor eine ganze Figureines gekrönten Königs durch die Adern des Gesteins vorgcbildet ge-wesen, nnr die Stirn sei zu ausrecht gestanden. Auf die Anfrage derstaunenden Freunde habe er ihnen die ganze Erklärung der sonder-baren Erscheinung gegeben ^). Ein andres Mal^) beobachtete Albertusin Padua selbst, wie Männer, die nacheinander in einen lang ver-schlossenen Brunnen hinabgcsticgcn, Plötzlich gestorben seien, und ergibt auch die Erklärung hiefür, indem er auf die faulende Luft hin-weist. In einer andern Stadt der Lombardei erlebte er ein Erdbeben,dessen Erscheinungen er beobachtete
Wir sehen also, Albertus war ohne Unterlaß bemüht, aus denQuellen der weltlichen Wissenschaft mit vollen Zügen in diesen Jahrenzu trinken, die Wcltwcisheit hatte vor Allem sein Herz eingenommen,er ist ihr getreuer Ritter geworden. Damit hängt wohl die anmu-thige Sage zusammen, daß er selbst in einem Traume vor den Augender Gottesmutter die Wcltwcisheit sich erwählt habe und für dieseZurücksetzung der Theologie mit dem plötzlichen Vergessen des Erlerntenvor dem Tode bestraft worden sei
1) Dürfte das Wort nicht andeuten, daß Albertus damals bereits über zwanzigJahre alt gewesen, was auch schon daraus erhellt, daß die tlebrigcn ihn um eineDeutung des Phänomens angehend Also ein Zeichen, daß Albertus beim Studiumder Philosophie lange ausgeharrt!
2> Vs ininsral. lid. 2. traet. 3. e. 1. Er sagt, der ganze Stein sel durch ver-härteten Dunst gebildet worden; in der Mitte sei durch die größere Wärme der Dunstunordentlich und übermäßig aufgestiegen.
3) Met. 3. traet. 2. o. t2.
4) Vit). Neteor. p. 98.
5) Die Alten wissen nichts hievon, erst Flaminius, Leander, Jammy und diespätern haben sie, also ist sie Poesie. Die Sage ist aber zu lieblich, als daß wir sieganz übergehen könnten. Sie lautet ungefähr so: Albertus war in jenen Tagen redlichbemüht, in das Heiligthnm der Wissenschaft einzudringen. Aber vergeblich. Waser heute gelernt, war ihm morgen wieder entschwunden, was er heute zu erfassenglaubte, war ihm morgen wieder in undurchdringliches Dunkel gehüllt. Da wollteer in einer trüben Stunde im höchsten Mißmuth über seinen Stumpfsinn und dieUnbildsamkeit seines Geistes den Entschluß fassen, den Studien ganz Lebewohl zusagen und nach Hause zurückzukehren. Doch plötzlich ward das Gemach erhellt, er sahdrei Jungfrauen (nach dem Geiste der mittelalterlichen Symbolik Maria, Barbara