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Kapitel II.
unbesiegbaren Waffen halt, um Wahrheit zu erobern und ihren Besitzgegen jeden Angreifendcn zu verthcidigen. Er studierte wohl die Logikdes Aristoteles, wie sie seit Langem in der verdorbenen lateinischenllebcrsetzung vorlag und von den später» Lehrern commentirt war.Auch andere Schriften des Aristoteles '), welche erst seit Kurzem imAbendlande bekannt waren, besonders die Ethik und Politik, hörte erwohl öffentlich erklären und war entzückt über die Fülle natürlicherWeisheit, die hierin niedergelegt ist. Dazu kamen dann noch einigenaturwissenschaftliche Bücher des großen Stagyriten, deren Inhaltdie Wißbegier des jungen Deutschen mächtig anzog. In diesen Jahrenwar es wohl, wo jene Flamme der glühenden Liebe und Verehrungzu jenem Fürsten der alten Philosophen im Herzen des Albertus auf-lodcrte, die ihn am Besten znm Verständniß und zur Deutung jenesMeisters vor Allen befähigte. Da hat Albertus das Fundament jenerumfassenden Natnrkenntniß gelegt, die wir später an ihm so sehr be-wundern werden und ihn selbst in den Verdacht der Magie gebrachthat. Selbst die nöthigstcn mcdicinischen Kenntnisse scheint sich Albertushier gesammelt zu Habens, wie diese ja nur die Anwendung derNaturwissenschaft ans den Körper des Menschen bilden. Daß alleErklärungen dieser Bücher und die öffentlichen Vorträge in lateinischerSprache gegeben wurden, brauche ich nicht zu erwähnen. Die griechischeSprache zu erlernen ans gründliche, grammatikalische Weise, scheintdem Albertus unmöglich gewesen zu scyn. Denn er kennt die Regelnund Formen der Sprache nicht -P Doch mag er durch Umgang mitGriechen sich hier oder später die Kenntniß einer Anzahl griechischerWorte verschafft haben.
Doch nicht allein in Büchern und Hörsälen jagte der junge Adeligeder Erkenntniß und Weisheit mit unablässigem Eifer nach, er hatteauch ein offenes Auge für das große Buch der äußern Welt, er ver-säumte auch nicht, in diesen Blättern zu lesen. Darum machte er häufigAusflüge mit seinen Freunden und Gefährten in die umliegendenStädte und Provinzen, beobachtete überall mit scharfsinnigem Geiste die
1) Vgl. die unvergleichliche Abhandlung von Jonrdain über die Geschichte derAristotelischen Schriften im Mittelalter. Deutsch von A. Stahr. Heidelb. 1831.
2) Sogar in den Predigten gibt Albertus zum Zwecke von Parallelen die Ge-schichte ganzer Krankheitsformen. So im Evangelium vom Aussätzigen, vom blut-flüssigen Weibe; am Feste der hl. Margaretha, des hl. Kreuzes, der BekehrungPauli nennt er Heilmittel. Bei den Mineralien schildert er immer ihre Heilkraft.
3) Der Beweis wird im zweiten Theile gegeben werden.