Das Leben des seligen Albertus an der hohen Schule zu Padua. 11
und fast vollkommene Selbstregierung sich errungen, da erwuchsen imSonnenscheine der jungen Freiheit und Macht großartige Unterneh-mungen in rascher Folge. Wie sich Brücken, Kanäle, Stadtmauernmit schützenden Thürmen und das bewunderungswürdige Gemeindehauserhoben, so gedieh auch die Pflege der religiösen Institute, der Künsteund Wissenschaften mit erstaunlichem Erfolge. Damals hat die Stadt,Klerus und Bürgerschaft, ausgezeichnete Männer der Wissenschaft ge-wonnen, die mit hohem Beifall die freien Künste lehrten und vieleStudierende anlvcktcn. Sv haben sich die Anfänge der hohen Schulegebildet, die später durch Ueberstedelung von Lehrern und Schülernaus Bologna s1222 Zf sich zur größeren, vollständigeren Universitäterweiterte. Wie aber Paris auch in den folgenden Jahrhunderten vorAllem als Lehrerin der Gottesweisheit glänzte, Bologna jedoch in derKenntniß des bürgerlichen und geistlichen Rechts als höchste Autoritätgalt, so blieb der Hochschule zu Padua auch später der Ruhm, dietrefflichsten Meister der freien Künste zu besitzen. Zu jener Schulevon Padua eilte Albertus also auch heran, voll heiligen Durstes nachWissenschaft. Wie lange er da geweilt, welchen Studien er obgelegen,mit welchem Erfolge, auch darüber haben wir nur kurze Notizen oderVermuthnngen. Daß er hier zunächst wieder die freien Künste betrie-ben habe, erzählt Rudolph ausdrücklich. Grammatik, Dialektik, Rhe-torik, Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie waren also dieWissenschaften, denen er unter Anleitung tüchtiger Lehrer oblag. Indiesen Jahren trug er mithin den Namen eines Artisten. Dann aberschritt er auch vor zu der bald alle übrigen Fächer verdrängenden undüberflügelnden Logik, als dem Arsenal, aus welchem der Kämpfer die
1) Die Zeit des Entstehens der Universität Padua wird darum verschieden an-gegeben. Bei Ersch und Gruber, sowie im Kirchenlexikon von Wetzer und WelteBd. 11. S. 442 ist 1222 genannt. Uebrigens heißt cS in der Vita 4oannis vunsi8eoti (katav. 1671) p. 106: Universitas katavina onrnium prinoops et xarensloeounäa Irerouin. Der Umstand, daß so die Universität Padua erst i. I. 1222entstanden seyn soll, mag wohl auch ein Grund gewesen sehn, für das Jahr 1205als Geburtsjahr Albert's sich zu entscheiden, da er sonst schon das 29. Jahr beimBesuch der Hochschule erreicht hätte. Aber es heißt bei Nudolvh nur: Er ging nachPadua, um dort die artes liberales zu studieren, nicht: Er ging auf die Universität!Eine berühmte Schule für philosophische Studien war aber schon früher dort! Jaauch eine Nechtsschule bestand dort schon am Ende des zwölften Jahrhunderts, dennGerard Pomedella heißt Professor der Rechte an der Universität zu Padua. DieTheologie kam erst im 14. Jahrhundert hinzu! Vgl. den Ergänzungsband zumKirchenlexikon von Wetzer und Welte. S. 917.