Warum aber gerade Padua als Ziel des Strebcns von ihm gewähltwurde, während bereits Paris und Bologna durch ihre Universitätenin weit höherem Glanze strahlten, ist unbekannt. Wahrscheinlich warder Oheim, welcher von nun an an der Seite des jungen Albertuserscheint, ein Adeliger oder ein Beamter des Kaisers, der zu Padualebte und den jungen Verwandten unter seine Obhut zu nehmen ver-sprach. Auch der Umstand mag Erwähnung verdienen, daß geradePadua durch die Pflege der freien Künste sich anszeichnete Z. Geradeeine umfassendere Kenntniß der freien Künste war es aber, wornachder wißbegierige Geist des jungen Edeln aus dem deutschen Schwaben-lande vor Allem verlangte ^). So zog er also frohen Muthes hinüber die Alpen nach den gesegneten Fluren der Lombardei.
Fragen wir, in welchem Jahre diese Auswanderung nach Italiengeschehen, so finden wir darüber keinen Aufschluß. Da aber der Be-zug einer Hochschule gewöhnlich in dem Alter von 16 — 20 Jahren zugeschehen pflegte ch, so dürfen wir wohl annehmen, daß jene Reisedes Albertus etwa in das Jahr 1212 oder in die nächste Zeit gefallensei. Mit dem Umzüge nach Padua beginnt ein neuer hochwichtigerAbschnitt im Leben unsers seligen Meisters.
Kapitel II.
Das Leben des seligen Albertus an der hohen Schule zu Padua.
Padua, die alte Bischofsstadt, die auf weiter, gleich einem Gartenbebauter Ebene am Ufer des Bachiglione sich angesiedclt, hatte zwarseit langer Zeit schon klösterliche Schulen besessen, die zur Heranbildungdes Klerus und der vornehmeren Jugend genügend seyn mochten. Alsaber die Stadt nach langem, ruhmvollen Kampfe gegen das Kaiserhausder Hohenstaufen im Frieden zu Konstanz (i. I. 1183) ihre Freiheit
1) Bgl. Ersch und Gruber Encyclop. d. K. u. W. III. Artikel Padua. S. 116.Einer der Lehrer der Universität Padua, Olfredus, berichtet, die Hochschule vonPadua habe i. I. 1262 bereits an 10000 Schüler gezählt, und besonders hättendie Lehrer der freien Künste eine Menge von Fremden herbeigelockt. I'aeciolati I'asti6^mnL8ii katavini. ?at. 1757.
2) Das berichtet Rudolph ausdrücklich cap. I.
3) Prussia läßt den Albertus mit 16 Jahren noch zu Hause weilen und dieErscheinung der Gottesmutter haben.