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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Heimath, Geburt und Jugend des seligen Albertus. 9

Vielleicht schwebte seiner Seele auch schau die dunkle Ahnung vor,daß er ein Gottfried von Bouillon im Kreuzzugc der Ideen werden,d. h. das gottentfremdete Jerusalem aller menschlichen Wissenschaft,das in die Hände der Heiden und Muhamedaner gefallen war, durchdie Macht des Gedankens wieder in den Besitz Christi und seinerKirche ans Erden zurückerobern könnte. Er entschied sich also nicht fürdas Waffenhandwerk, sondern für die weitere wissenschaftliche Aus-bildung. Und da die Wissenschaft auch in jenen Tagen schon die Leiterzu den einflußreichsten Acmtern in der Kirche und im Staatslebenbildete, so konnten auch Albert's Eltern oder die mit seiner Erziehungbetrauten Verwandten diesen Entschluß nicht mißbilligen.

Albert mußte also die heimathlichen Gauen verlassen. Denn eswar bereits die Zeit gekommen, wo der höhere Unterricht sich von derStille des Klosters losgcrissen und in den Lärm der Welt hinausge-wagt hatte. Die alten Dom- und Klosterschulcn waren durch dieneuerstandcnen Universitäten in ihrem Glanze verdunkelt und in ihrerWirksamkeit znrückgedrängt worden. In mehreren großen Städtenhatten sich seit dem zwölften Jahrhundert Corporationcn von öffentlichLehrenden znsammcngethan, um die sich ein gleicher Bund von Lern-begierigen sammelte. So waren die Universitäten aufgeblüht, die bald,von Päpsten und Fürsten mit großartigen Rechten und Freiheiten ans-gestattet, von Privaten mit Schenkungen überhäuft, außerordentlicheAusdehnung der Macht und des Einflusses gewannen und die Pflegehöherer Wissenschaft, sowohl der freien Künste, als der Fachwissen-schaften, fast ausschließlich an sich brachten. Eine solche Universitätmußte also jetzt anfsuchen, wessen Geist nach tieferer Erkenntniß, nachumfassenderem Wissen dürstete. Und da in Deutschland noch im drei-zehnten Jahrhunderte keine solche Hochschule sich gebildet hatte Z, somußten unsre deutschen Jünglinge in das ferne Ausland ziehen, wennsie die Süßigkeit der Wissenschaft kosten wollten. Wir sehen, dieFrucht der höhcrn Erkenntniß kam damals weit thcnrer zu stehen, alsin unfern Tagen. Man mußte mit Ungeheuern Kosten, mit unsäglichenMühen und unter zahlreichen Gefahren in ein fremdes Land ziehen,um das goldne Vließ der Wissenschaft zu erobern. Und dennoch eilteunsre deutsche Jugend in zahllosen Massen fort nach solchen fernenSitzen der Wissenschaft! Auch Albert entschloß sich hiezu mit Freuden.

lt Die Hochschule von Prag, die erste in Deutschland, entstand bekanntlich ersti. I. 1348.