Hcimath, Geburt und Jugend des seligen Albertus. 7
erkannt, die vom Glauben und von der Vernunft laut gepredigt werdenUnd Albertus sagt selbst im Traktat über die Messe, wo er das Kyrieerklärt: „Die höchste Weisheit der Welt blühte in Griechenland. Wieder Jude durch die Schrift Gott erkannte, so erkannte der heidnischeWeise urd Philosoph durch die natürliche Weisheit der Vernunft Gottund mutze ihn darum auch anbeten. — Auch die Beobachtung derGesetze var zuerst bei den Griechen, wie die Gesetze der zwölf Tafelnund die Pandekten zeigen, die, von den Griechen stammend, noch beiuns Gelting haben, und durch diese Gerechtigkeit erkannten sie dieGerechtig'eit des Gesetzes Christi und erhielten dieses zuerst unter denHeiden ff"
Wirsehen also, mit welcher Hochachtung die Werke der heidnischenSchriftsteler des Alterthums von den Scholastikern jener Zeit betrachtetwurden. Darum darf es uns nicht wundern, wenn auch damals diechristliche Zugend mit Eifer durch die Vorhalle der klassischen Studiengeführt mrde, wenn die alten Schriftsteller nicht bloß gelesen, sondernselbst ausvendig gelernt werden mußten.
Doch ist in jenen Stellen eine gegenüber der frühern Zeit ab-weichendeBeurtheilung der antiken Schriftsteller nicht zu verkennen.Während die kirchlichen Lehrer der früheren Zeit an den Klassikernbesondersdie Schönheit der Rede und Eleganz der Form bewunderten,die sich dnn der christliche Gelehrte aneignen müsse zur Darstellungseiner chistlichen Wahrheiten, wie David sich der Waffen Goliathsbemächtig-, um ihn zu tödtcn, so finden wir jetzt ein Absehen vonder Herrchen Form der Alten und nur Anerkennung für die in ihrenWerken nborgene Wahrheit. Das ist ganz dem nach Wahrheit dür-stenden barakter der Scholastik entsprechend, überall und immer nurdie Wahreit zu suchen, zu achten, zu verehren, während sie sich umdie schcimre Zufälligkeit der Form weniger bekümmerte.
Dasvar also der allgemeine Lehrgang der kirchlichen Institute imMittelalte Daß auch unser Albertus an der Hand der Geistlichendiesen Ws gegangen, können wir ohnehin bei der Gleichförmigkeit derInstitute iner Zeit nicht bezweifeln, um so weniger aber, wenn wirdie innigäLertrautheit dieses Lehrers mit den Profanschriftstellcrn desAltcrthun erwägen, die so weit geht, daß er selbst seine Predigten
t) Jmpeculum äoetrinals, lib. I. eap. XII.
2) Dizanze höchst merkwürdige Stelle werden wir später, wo vom Traktatedes Alberti üöer die Messe gesprochen wird, ausführlich miltheilen.